(Un)Zufriedenheit – Ich bin a bissl sauer.

April 27, 2020

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Heute Morgen habe ich auf dem Profil von einer facebook-Freundin etwas Nachdenkliches gefunden:

 

„Verdirb nicht, was du hast, indem du dir das wünschst, was du nicht hast; denk daran, das, was du jetzt hast, gehörte einst zu den Dingen, auf die du nur gehofft hast.“ EPIKUR

 

Der gute Mann hatte gut reden. Wenn er 300 Jahre vor Christus doch nur gewusst hätte wie mühsam es ist, in Corona-Zeiten zu leben. Zeiten, in denen wir gezwungen sind, Masken zu tragen und ungefragt am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ teilnehmen.

 

Hahaha. Nicht lustig – ich weiß. Seit über 5 Wochen leben auch wir als Familie zu siebt in Quarantäne. 4 Erwachsene und 3 kleinere Kinder zwischen 0 und 7, inklusive Home Schooling – was in Deutschland eigentlich verboten ist.

 

Und zum Glück reden wir längst nicht mehr so viel über das einst nicht vorhandene Toilettenpapier oder das in Portugal zurückgelassene Auto, sondern stöhnen über andere Dinge. Vielleicht machen wir uns zur Abwechslung Sorgen, dass der Regen auch in diesem Jahr das dritte Mal in Folge nicht reichen wird, dem Boden zu geben, was er braucht.

 

Wir und alle anderen Deutschen versuchen die neue Realität von Tag zu Tag zu bewältigen und einzuordnen. Es sind so viele Themen, über die momentan diskutiert wird, dass es definitiv zu viel werden würde, wenn ich an dieser Stelle versuche sie aufzulisten.

 

Sicher müssen wir derzeit diskutieren und manche Oppositionspolitiker sind froh, dass sie endlich wieder ein Forum geboten bekommen, um auch mit ihren Argumenten gehört zu werden. Denn neben den wirklichen Problemen, die die Politiker aller Lager gerade zu bewältigen haben, geht es inzwischen nicht mehr um das gemeinsame Ziehen am Strang, damit die Prozentzahlen derer, die sterben niedriger und die derer, die gesunden höher werden. Inzwischen geht es wieder um Prozentpunkte des Politbarometers.

 

Letzteres zeigt übrigens auf eine eindrückliche Art und Weise, wie schnell Menschen ihre Meinung ändern, wenn Politiker besonnen und halbwegs souverän gute Arbeit leisten und sich damit das Vertrauen der Bevölkerung verdienen. Unglaublich wie schnell sich die Balken aller politischen Farben rauf und runter bewegen können. Ein kleines Virus reicht, um da viel Bewegung rein zu bringen.

 

Die Politik muss natürlich Politik machen und sich den Problemen stellen, die wir gerade haben. Deshalb muss sie diskutieren und versuchen, gute Vorschläge zu machen, wie man die Dinge in den Griff bekommen und vernünftig lösen kann. Aber man merkt gerade leider auch, dass die Politik mehr und mehr vom gemeinsamen Ziel abrückt, durch gemeinsame Entscheidungen weiterhin besonnen durch eine Megakrise zu führen. Es geht wieder verstärkt um die Profilierung und das Sammeln von Punkten für die eigene Partei oder die eigene politische Karriere. Und mitten in einer Krise, die noch nicht überstanden ist, trägt das alles gerade leider wieder zur Verunsicherung und zur Polarisierung bei. Hoffentlich geht es dennoch gut.

 

Zu diskutieren und Meinungen zu haben ist natürlich legitim. Egal, ob am Stammtisch – was leider gerade nicht geht - oder in intellektuellen Zirkeln. Persönlich muss ich mir eingestehen, dass ich nicht den Überblick habe in diesen Coronazeiten und auch nicht genug Expertise, obwohl ich viel lese. Ich vermute auch, dass ich schon gar nicht mit der politischen Verantwortung zurechtkäme, die auf meinen Schultern lasten würde, wäre ich an der Stelle derer, die gerade durch diese Krise führen. Das ist auch der Grund, warum ich nicht so ein Freund vom Politiker-Bashing bin, weil ich selbst nicht bereit wäre, ihren Job zu machen. Aber ich habe Freunde auf Facebook, die das sicher könnten, wenn man verfolgt wie energisch sie den Regierenden Unfähigkeit attestieren, obwohl alle Zahlen dafürsprechen, dass sie einen guten Job gemacht haben.

 

Nochmals zu Epikur:

„Verdirb nicht, was du hast, indem du dir das wünschst, was du nicht hast; denk daran, das, was du jetzt hast, gehörte einst zu den Dingen, auf die du nur gehofft hast.“

 

Als ich den Satz von Epikur las, habe ich mich gefragt, wie es um die Zufriedenheit steht. Um meine eigene und die aller anderen, die in diesem Land leben. Die Menschen, die anfangs gesagt haben, dass sie dankbar sind für die Entschleunigung, hört man das nicht mehr so oft sagen. Gleiches gilt für die, die froh waren, dass es plötzlich doch mit einem Home-Office klappt. Auch sie reden nicht mehr so viel über den Segen desselben, weil sie auch den Fluch erleben. Längst haben wir den Blick wieder auf die negativen Seiten und Dinge der Corona-Krise gerichtet. Schade eigentlich.

 

Unser erster Blick gilt sowieso meist der eigenen, schlimmen und unerträglichen Misere, die wir ertragen müssen. Wenn dann mal wieder etwas mehr Zeit bleibt, blicken wir vielleicht nochmal auf die Misere der anderen: die der Engländer, wo binnen weniger Tage tausende Menschen starben, weil sie das Virus im Gegensatz zu den Deutschen unterschätzt haben. Ähnlich wie die Amis. Oder wir blicken auf die Freunde in Italien, Spanien und Frankreich, indem wir uns dagegen wehren, ihr Leiden als selbstverständlich hinzunehmen? Wirklich?

 

Ach was solls. Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass die Italiener und Spanier und andere von einer mächtigen Dampfwalze überrollt wurden, die immer noch nicht wirklich zum Stehen gekommen ist.

 

Fragen wir uns mal: Wie zufrieden sind die Italiener und die Spanier wohl mit ihrer Misere? Hoffentlich schauen sie nicht nach Deutschland, denn da leidet das deutsche Volk ungemein – nicht unter Corona, sondern unter seinen Nebenwirkungen. Nein, das würde sie nur noch depressiver machen.

 

Meinen Freunden in Spanien und Italien kann ich nicht verdenken, wenn sie ausgelaugt und deprimiert sind, denn sie durften schon wochenlang wirklich nicht vor die Türe. Bei einem Kollegen in der Lombardei sind es schon 8 Wochen - seit dem 1. März sind sie mehr oder weniger eingesperrt.

 

Kaum auszudenken wie sich die Kinder gestern in Spanien fühlten, als sie nach 5 Wochen das erste Mal für eine Stunde vor die Türe durften. Da lobe ich mir meine Spaziergänge, zu denen ich mich mit Freunden verabrede.

 

Und dann sind da noch die anderen. Die, die ganz weit weg sind. Die, über die nicht oder kaum berichtet wird in 15 Minuten Tagesschau. Das sind die, die dort leben, wo man Tag für Tag unzählige und ungezählte Leichensäcke aus den Häusern trägt, weil die Menschen zuhause sterben oder in Heimen. Orte, wo keine Krankenhäuser existieren wie bei uns. Wo Menschen einfach so dahinkrepieren, ohne in der John Hopkins Statistik aufzutauchen

 

Woher ich das weiß? Von jemand, der gerade mit Freunden dort telefoniert hat, die – ich sag es mal so – irgendwo im weiten asiatischen Raum leben. Grausam. Unvorstellbar. Aber eben weit weg von unseren großen Problemen um Maskenzwang und Geisterspiele. Dort existiert kein Sozialsystem wie unseres, wo niemand fürchten muss, nichts zu essen zu haben. Nein, Regionen sind das, wo Menschen vielleicht nicht am Virus sterben, sondern daran, dass sie in Folge des Virus kein Geld mehr verdienen und verhungern.

 

Mit Blick auf mein eigenes Volk schäme ich mich manchmal über die Unzufriedenheit, die viele verbreiten. Dieses Selbstmitleid ist zum… . Ich ärgere mich auch darüber wie manche Dinge heruntergespielt werden, weil ja alles nicht so schlimm sei, da ja noch Krankenhausbetten frei seien und manche Krankenhäuser Kurzarbeit angemeldet haben, da nichts los ist. Dass manche Zahnärzte gerade geschlossen haben, weil sie nichts zu tun haben, weil die Leute sich nicht trauen, zum Arzt zu gehen. Das ist sicher alles wahr. Na und?

 

Genauso wahr ist übrigens das Leiden vieler Gastronomen, das Leiden vieler Kinder unter Schlägen, weil deren Eltern nicht in der Lage sind, ein friedliches und harmonisches Miteinander zu gewähren und ihre Nerven zu zähmen.

Ja, da ist es vergleichsweise echt schlimm, wenn man hört, dass manche sich aufregen, weil sie jetzt zum Einkaufen eine Maske tragen müssen. Ja, das ist wirklich schlimm. Vor allem schlimm, dass ich damit möglicherweise das Leben anderer schütze.

 

Warum gelingt es vielen von uns nicht zumindest dankbar zu sein, dass wir in Deutschland die Virusgeschichte momentan so stabilisiert und unter Kontrolle haben, weil uns kluge Köpfe regieren und hervorragende Wissenschaftler beraten und hingegebene Menschen im Gesundheitssystem alles geben? Alles das, damit nicht so viele Tote beklagt werden müssen wie andernorts, weil wir früh genug und besonnen genug reagiert haben. Ich bin persönlich dankbar, dass die Senioren meiner Familie noch alle gesund sind.

 

Warum müssen wir trotzdem motzen?

 

Und nein, ich möchte mit meinen Worten nicht das Leid vieler kleinreden, deren Existenzen auf dem Spiel stehen. Ich habe wie gesagt auch keine Lösung für das Dilemma. Aber es würde helfen, wenn wir uns alle eingestehen würden, dass wir – ausnahmslos alle - keine einfachen Lösungen parat haben. Keiner hat eine Lösung, die allen auf einmal hilft und von heute auf morgen und am besten so, dass wir auch in nächster Zeit weiter an den Börsen dieser Welt fett absahnen können.

 

Ich befürchte, dass wir gar nicht lernen wollen aus so einer Situation wie dieser aktuell. Ich befürchte, dass wir unser Leben und Handeln gar nicht hinterfragen wollen. Was wir wollen, ist, möglichst schnell wieder so weiterzumachen wie vorher.

 

Und wenn wir das Virus nicht persönlich verantwortlich machen können, dass es uns den Komfort und die Freude am Leben raubt, dann eben andere. Die nämlich, die uns regieren und natürlich nicht wissen wie man dieses unbedeutende Corona-Problem löst. Alles Politiker mit bösen Absichten und noch dazu völlig inkompetent.

 

Es wäre schön, wenn wir uns eingestehen würden, dass es DIE Lösung nicht gibt, die allen gleichermaßen hilft und dafür sorgt, dass die Zahlen von Infektionen und Toten weiter zurückgehen. Und es wäre gut, einfach ein wenig mehr Geduld zu zeigen mit den Regierenden, weil auch sie nicht alle Baustellen gleichermaßen im Blick haben können. Auch ich würde gerne wieder golfen und muss jetzt etwas länger warten bis die Politik erkennt, dass die Ansteckungsgefahr bei diesem und anderen Sportarten nicht so hoch ist wie beim Rugby. Ist das wirklich so schlimm, dass all die gute Arbeit der Politik in den letzten Wochen nur noch Schall und Rauch ist, weil diese „Deppen“ nicht verstehen, dass man sich beim Golfen am wenigsten infizieren kann und dass auch die Golfanlagen wirtschaften müssen? Ach du meine Güte! Die Lockerung kommt dann eben etwas später.

 

Wenn wir – trotz der vielen Wochen, die wir uns schon gedulden müssen – nochmals einen Schritt zurück machen würden, um auf die immer noch sehr komplexe Situation zu schauen und uns eingestehen würden, wie gut es uns geht, wäre wirklich viel gewonnen.

 

Dann wäre es das, was man – um einen viel zitierten „Fachbegriff“ im Golfsport zu bemühen - schlicht „Demut“ nennt. Laut Definition bedeutet Demut, dass man die äußeren Gegebenheiten hinnimmt, ohne darüber zu klagen und sich selbst dabei nicht zu wichtig nimmt.

 

Würde uns das gelingen, dann wäre ein gutes Fundament gelegt, auf dem wir die bewusste Entscheidung treffen könnten, Genügsamkeit und Zufriedenheit in Anbetracht dessen zu üben, dass es vielen Menschen gerade echt dreckig geht – vom Leidenden selbst bis hin zu dem, der dessen Leben zu retten versucht.

 

Es braucht mir keiner kommen und sagen „Du hast leicht reden, Karsten!“ - Ich weiß sehr wohl, dass ich zu den Privilegierten gehöre und ländlich wohne. Aber ich weiß auch um die existenzielle Not von engen Freunden und Familien und darum, dass unser Einkommen nicht notwendigerweise sicher ist. Aber weder sie noch ich können etwas an der momentanen Situation ändern, die uns diese Misere beschert. Also, entweder wir schaffen das gemeinsam und halten aus und durch, oder wir lassen unseren guten Ideen und unserer Kritik an Politikern Taten folgen und gehen endlich selbst in die Politik und machen es besser, statt auf Facebook so zu tun, als wüssten wir wie Politik richtig geht.

 

Meine Entscheidung ist gefallen.

 

Ich habe mich entscheiden, die Situation zu akzeptieren und mich mit ihr zu arrangieren. Kollegen von mir, die sich aktuell in Flüchtlingslagern damit arrangieren müssen, dass sie nicht alle retten können, wären froh, wenn es ihnen nur so schlimm ginge wie uns hier. Während wir uns streiten, was angemessen ist und was nicht, dürfen wir nicht vergessen, dass es unzählige Menschen und vor allem Kinder gibt, die in den Armen von freiwilligen Helfern in Flüchtlingslagern und Kriegsgebieten sterben.

 

Ob es mehr oder weniger Prozent sind, die unter den Händen von sich aufopfernden Ärzten und Pflegepersonal weltweit wegen Corona sterben, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass man das Leben eines Kindes, das in einem Flüchtlingslager stirbt, oder das einer 90j. Oma, die in Norditalien dem Corona-Virus erliegt, oder das Leben derer, die gerade häuslicher Gewalt zum Opfer fallen, nicht gegeneinander aufwiegen kann. Jedes Menschenleben zählt. Und ich glaube, die Politiker wissen das und geben ihr Bestes. Und gut tut es da auch, wenn einer der Ministerpräsidenten bekennt, dass er als gläubiger Christ froh ist, beten zu können. Vielleicht sind seine Umfragewerte und sein Krisenmanagement auch deshalb so gut.

 

Aber solange wir zu denen gehören, die noch leben dürfen – wenn auch nicht mehr so gut wie vor Corona – lasst uns demütiger und dankbarer sein. Und vor allem, lasst uns ethisch und moralisch sauber bleiben, solidarisch und fair. Denn zu dem ganzen Gemotze über die Misere, in der wir Deutschen uns befinden, kommt noch, dass laut Infos von Steuerberatern in meinem Bekanntenkreis, der Anteil derer sehr hoch ist, die sich Hilfe und Gelder vom Staat holen und sichern, ohne sie wirklich zu brauchen. Das ist ein Schlag ins Gesicht all der Leidenden, über die ich gerade schrieb. – „Der Staat schenkt mir ja sonst auch nix!“ - Ernsthaft?  Es ist ein Art Rache am Staat, wenn man sich holt, was einem nicht zusteht und das auf Kosten der anderen.

 

Diese Welt ist komplex. Corona macht sie um ein Vielfaches komplexer. Ich bin dankbar, dass ich alles das, was ich nicht verstehe und nur unzureichend in (angesäuerte) Worte wie diese zu fassen versuche, besprechen kann mit dem, dessen Leiden am Kreuz auf Golgatha eine Einladung war. Eine Einladung, dass wir uns an ihn wenden, weil er am besten weiß, wie man Zeiten des Leidens und der Krise durchleben kann und dabei den Blick auf den Nächsten nicht vergisst.

Die Veränderung, die die Begegnung mit Jesus in meinem Leben verursacht hat, hat meine Perspektive auf mich und das, was mein vermeintliches Recht ist, verändert. Und ja, ich übe immer noch an Themen wie Gerechtigkeit, Demut, Zufriedenheit und Dankbarkeit. Aber ich habe jemand, der mich coacht. Gott sei Dank! In diesem Sinne.

 

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