Ängste gehören zum Leben

June 22, 2019

 Als ich das letzte Mal einen Impuls an dieser Stelle weitergab, hatte ich euch folgende Frage gestellt: Was waren die drei besten Entscheidungen deines Lebens? Ich weiß nicht wie du die Frage heute beantworten würdest, aber die Gespräche, die wir damals hatten, waren gut und schürften tief.

 

Auch heute habe ich wieder ein paar Fragen mitgebracht. Wir sind im Juni und die Saison ist noch jung. Da stellen sich mir folgende Fragen:

Was sind meine bzw. deine Vorsätze für diese Saison? Mit welchen Erwartungen gehst du heute in das Turnier? Warum sitzen mache Golferinnen und Golfer ganz gelassen hier beim Frühstück, während andere auf der Range stehen? Mit welchen Gefühlen sitzt du hier? Ist es eine große Vorfreude, die dich bestimmt? Endlich wieder golfen…, nette Leute, schöne Runde…, die Erwartung sich zu unterspielen? Oder bestimmt dich Unsicherheit und Nervosität, weil du nicht weißt wie es heute wird da draußen auf dem Platz?

 

Kann mir mal jemand erklären, warum ich nach mehr als zehn Jahren Golf immer noch total nervös und zittrig bin, wenn ich die ersten Putts im Turnier machen muss? Warum sind die für mich immer noch irgendwie furchteinflössend?

 

Unsere Tochter Anna sagt immer: „Golf ist zu 80% mental und zu 20% Kopfsache.“ Recht hat sie.

 

Ich erinnere mich, dass ich beim letzten Ichtu’s-Turnier im Mai auf Bahn 9, diesem schön PAR 5, einen guten Abschlag hinbekommen hatte. Mit dem zweiten Schlag blieb ich dann leider deutlich zu kurz. Ich hatte noch 160 bis 170 Meter zur Fahne. Vorlegen? Ich doch nicht! Über den Teich komme ich locker! Nachdem mein dritter Schlag dann doch im Wasser lag, musste ich vor dem Teich droppen. Nur 30 Meter - alles easy. Nur noch eben über den Teich. Wasser? Welches Wasser? Ihr ahnt wie die Geschichte endet. Ich habe den Ball voll ins Wasser gehackt. Schlag 5. Strafschlag 6.  Alles noch mal von vorne. Jetzt aber konzentriert. Mit dem siebten Schlag aufs Grün, zwei Putts und am Ende stand für mich eine hässliche 9 auf der Scorekarte.

 

Warum ich das alles erzähle? Weil es mich lehrt: Ängste gehören zu unserem Leben.

Kennt jemand den klasse Golf-Movie: „Das Spiel seines Lebens“? Darin spielt ein Amateur mit einer Wildcard gegen Profigolfer in einem Turnier. Immer wenn der Profi zu seinem Ball geht, sieht man im Bild zuerst die Unmengen von Menschen entlang des Fairways stehen. Dann konzentriert er sich auf den Schlag und die Leute verschwinden, weil er sie ausblendet. Am Ende sieht man nur noch ihn, den Golfball, das Fairway und seinen Schwung.

 

Das Ausblenden der Umstände, sich ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich auf die auszuführende Schwungbewegung zu fokussieren, ist der Sinn und Zweck der Pre-Shot-Routine.

 

100% Konzentration - 100 % deiner Leistung. 50% Konzentration - 50 % deiner Leistung. Wir wissen das: Golf spielt man gegen den Platz, gegen das Wetter und letztlich… - gegen sich selbst. So ist es! Der eine kann es mehr, der andere weniger. Ich jedenfalls bin mein härtester Gegner.

 

Das Masters in Augusta ist berühmt für viele unvergessliche Momente. Hier liegen die Nerven allein beim Zuschauen blank. Meine Frau liebt eher die blühenden Rhododendren und ich diese unglaublichen Grüns.

 

2016 gab es eine dieser denkwürdigen Szenen. Ernie Els lag in Runde 1 in Regulation auf dem Grün und benötigte dann noch sage und schreibe 6 Putts. Was sich da nur einen Meter vor dem Loch abspielte, war ein echtes Drama.

 

Jorden Spieth, ebenfalls 2016, liegt in der letzten Runde bei noch neun zu spielenden Löchern mit fünf Schlägen in Führung. Er sieht aus wie der sichere Sieger. Dann kommt Amen Corner, die berühmt-berüchtigte Ecke, die vom Rice Creek durchzogen wird.  Auf Bahn 12 haut er zwei Bälle hintereinander ins Wasser und den dritten in den Bunker. Danach fallen er und sein Score auseinander. Er verspielt einen sicher geglaubten Sieg.

 

Sergio Garcia, der 2018 als Titelverteidiger gestartet ist, spielte auf der gleichen Bahn einen Ball nach dem anderen ins Wasser. Es waren fünf an der Zahl. Am Ende schreibt er eine 13 auf die Scorekarte. Die Golfbücher sind voll von solchen Desastern. YouTube lebt davon.

 

Das Faszinierende am Golfsport sind die Parallelen zum echten Leben. - Es gibt sogar Leute, die behaupten, Golf sei das echte Leben :-)))

Auch hier bestimmen oft Ängste unseren Alltag. Depressionen sind mittlerweile Volkskrankheit. Auch im richtigen Leben stelle ich fest: Ich bin oft mein härtester Gegner. Das, was sich bei mir in meinem Gedanken abspielt, ist teils haarsträubend. Wie beim Golf gilt auch hier, dass das, was du am meisten fürchtest, deinen Weg prägen wird.

 

Hast du dich schon mal gefragt, welche Ängste dein Golfspiel am meisten bestimmen? Welche Ängste dein Leben? Wonach sehnst du dich am meisten, wenn du an eine Runde Golf denkst? Und wonach sehnst du dich am meisten in deinem Leben?

 

Unsere größten Ängste und Sehnsüchte hängen oftmals eng zusammen. Unsere Angst ist oft, dass wir das nicht bekommen, was wir uns am meisten wünschen. Das, was du am meisten fürchtest, und das, wonach du dich am meisten sehnst, prägt unser Leben – vielleicht manchmal auch unser Spiel.

 

Nehmen wir uns 30 Sekunden für eine stille, ehrliche und persönliche Antwort auf die Frage: Was sind meine Ängste, meine Sehnsucht, meine Wünsche?

Angst ist fester Bestandteil unseres Lebens.

Aber Angst ist nicht gut.

Angst kann uns lähmen und uns sogar die Freude rauben.

Auch das haben wir alle schon beim Golf erlebt ...

 

Ich habe euch einen christlich angehauchten Witz mitgebracht. Kann man bei einem christlichen Turnier mal wagen.

 

Drei Leute stehen auf dem Abschlag der Bahn 12 in Augusta. Schwierige Verhältnisse herrschen, denn der Wind ist böig und dreht ständig. Mose teet als erster auf. Der alte Wüstenfuchs kennt sich aus mit Wind und Wetter. Er berechnet alles perfekt und legt den Ball super Mitte Grün.

Der nächste ist der Herr Jesus. Er teet auf, macht keinen Probeschwung, holt aus... Perfekter Schwung, perfekter Treffmoment, perfekte Geschwindigkeit, perfekte Flugkurve, perfekte Länge und der Ball fällt - plop - ohne den Rand zu berühren direkt ins Loch. Hole in one. Eigentlich hätten wir es erwarten können, ist halt der Herr Jesus.

Dann kommt ein älterer Mann an den Abschlag. Wir zögern: Ob das gut geht? Er holt aus und haut ein Socket rechts in den Wald. Der Ball trifft mehrere Bäume und rollt noch ein paar Meter. Ein Eichhörnchen schnappt sich den Ball und rennt los. Ein Adler stößt im Sturzflug herunter, krallt sich das Eichhörnchen und steigt in die Höhe. Das Eichhörnchen ist so überrascht, dass es den Ball erst nach 100 Metern Flug fallen lässt. Der Ball fällt aufs Green und rollt mitten ins Loch. – Jesus wendet sich dem Mann zu, schlägt ihm auf die Schulter und sagt: Super Papa.

 

Warum habe ich mich vor 12 Jahren entschieden, als entschiedener Christ leben zu wollen? Weil mir klar wurde, dass Jesus Christus die Kraft hat, mich von den Ängsten meines Lebens zu befreien. Gehe ich als Christ durchs Leben, ist das ungefähr so, als spielte ich eine Runde Golf mit Gott – Format: Klassischer Vierer. Jeder schlägt abwechselnd, aber mein Teampartner ist ja kein Geringerer als Gott selbst. Egal, wie mein Schlag ausfällt (am liebsten natürlich gut), und egal, wohin er fliegt, den zweiten Schlag locht er.  Egal, ob mit oder ohne Eichhörnchen, – Gott bringt meinen Ball ins Ziel.

 

Kennt ihr den Spruch: Schöner Schlag, nur ist das Loch ganz woanders!?

So würde ich mein früheres Leben beschreiben. Ich musste schauen, dass ich alles selbst in den Griff bekomme. Viel leisten, um die nötige Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen. Ganz anders ist mein Leben mit Gott an meiner Seite. Das bedeutet nicht, dass bei mir jetzt immer alles gut läuft! Nein! Habe ich keine Sorgen? Doch, natürlich habe ich die. Probleme sind real. Ängste sind real. Das Wasserhindernis auf der Neun ist sehr real. Und frag mal Sergio Garcia, wie real der Rice Creek in Augusta ist!

 

Ängste sind real und ich kann sie im richtigen Leben nicht einfach ausblenden wie im Film „Das Spiel seines Lebens.“ Ja, ich habe Sorgen, aber die Sorgen haben mich nicht. Ich kann sie abgeben, weil Jesus versprochen hat, sich darum zu kümmern. Er macht meinen nächsten Schlag.

 

Im Neuen Testament steht einer meiner Lieblingsverse im Römerbrief, Kapitel 8, Vers 28: „Denen, die Gott lieben, werden alle Dinge - alle Umstände - zum Besten dienen!“

Alle? Alle! Egal, vor welchem Teich ich stehe, egal, in welches Dickicht ich meinen Ball gerade wieder geschlagen habe.

 

Ein paar Zeilen weiter steht dann noch, dass mich nichts - aber auch gar nichts - von der Liebe Gottes trennen kann. Im übertragenen Sinn bedeutet das: Egal, wie ich schlage oder wohin mein Ball fliegt, muss es nicht an meinem Image kratzen. Es stellt den Sinn meines Lebens nicht infrage. Ich bin von Gott akzeptiert und geliebt - absolut und bedingungslos.

 

In einem Psalm Davids steht das ungefähr so: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. Und fliegen wie ein Adler.“ - Er ist ein lebendiger Gott, er wirkt im Jetzt und Hier.

 

Wenn Karsten in seinen Impulsen gerne von Jesus als seinem Caddie spricht, der ihm hilft und Tipps gibt auf der Runde seines Lebens, dann finde ich das ein treffendes Bild. Aber eigentlich ist Jesus sogar noch mehr, wenn ich das Bild vom klassischen Vierer aufgreife: Er ist in meinem Team und macht den nächsten Schlag. Er macht den letzten Schlag. Er bringt meinen Ball ins Ziel. Jesus ist der Meter, der mir auf dem Platz oft fehlt. Er kompensiert meinen zu kurz gelassenen Putt. Er ist meine Rettung, wenn ich mal wieder in den Wald schlage.

 

Ich weiß zwar nicht, wie Jesus das immer macht, aber wenn ich auf die letzten zwölf Jahre meines Lebens zurückschaue, die ich bewusst als Christ lebe, dann staune ich und kann oft nur sagen: Er hat’s gemacht.

 

Es gibt ja so Golfschläge, da weiß man schon vorher, dass die gut werden. Da passt alles. Der Fokus ist da. Man ist angespannt und gleichzeitig locker genug. Der Schwung ist gut und der Treffmoment noch besser. Dann fliegt der Ball so, wie man es sich erhofft hat. 

Kennt ihr das? Na klar! Das sind die Momente, in denen wir wissen, warum wir Golf spielen. Diese Zehn-Meter-Putts, die von Anfang an auf der Linie sind, und am Ende fällt er. Ein schwieriger Putt und doch ganz ohne Nervosität.

Das im echten Leben nicht missen zu wollen, ist einer der Gründe, warum ich Christ geworden bin. Ich kann und will nicht darauf verzichten, mit Gott die Runde Golf meines Lebens zu spielen.

 

Er ist mein Hole in One. Er hat mir versprochen, dass er mich heimbringt – egal, wo ich gerade liege.  Er ist mein Frieden. Ich muss nicht mehr aus eigener Kraft versuchen, mir und anderen zu beweisen, dass ich wer bin.

Was sind deine Sehnsüchte, was sind deine Wünsche in diesem Moment? Was ist deine Angst? Denkt mal darüber nach. Beides wird dein Spiel, dein Leben bestimmen.

 

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