Mein Caddie

February 27, 2018

Ein paar Gedanken zitiere ich und schmücke sie etwas aus. Sie stammen aus einer Einladung zu einem zweitägigen On-the-Course-Workshop, für den man 1.700 Euro zahlen muss. Darin liest man:

 

Golf ist schön, denn es erfordert Eigenständigkeit, Selbstgenügsamkeit und Selbstwahrnehmung oder eine Art Selbstgefühl und Selbsterkenntnis. Du kannst auf der Runde kein Timeout nehmen wie im Basketball oder dich auswechseln lassen, wenn du müde wirst. Du musst tun, was du tun kannst und mit dem leben, was dir in jedem Moment auf der Runde zur Verfügung steht. Der allerbeste Weg zu lernen, ein besserer Golfer zu werden - ist die Golfrunde selbst. Wenn wir unseren Fuß auf den ersten Abschlag setzen, können wir nichts mehr verändern: Unsere Fitness, unsere technischen Fähigkeiten und unsere Ausrüstung sind, was sie sind. Wir müssen von Tee 1 an mit dem spielen und klarkommen, was wir haben und – vor allem – mit dem, wer wir sind. Die einzige Option, die wir an Tee 1 und in den folgenden Stunden haben, ist, zu verstehen und zu akzeptieren, dass unser Spiel variiert – es ist jeden Tag anders. Deshalb bleibt uns nur, zu lernen, uns auf der Runde selbst zu managen: physisch, mental und emotional.

 

Ja, genau das ist es, was Golf ausmacht. Keiner von uns, die wir das gerade lesen, weiß im Voraus, wie ein Turnier verlaufen wird, wenn wir am Tee 1 stehen und uns auf den ersten Schlag vorbereiten. Wir mögen Wünsche und Erwartungen haben, aber eine Ahnung von dem, was uns da draußen erwartet, hat niemand.

 

Das Spiel da draußen gleicht eher einem einsamem Segeltörn auf dem Meer. Oft  – was wir nicht hoffen – ein durchaus auch stürmischer Törn werden. Wir wissen es nicht.

 

Wenn da draußen ein Schlag mal nicht gelingt und wir laut „Schei…“ sagen, unserem Ärger so oder anders Luft machen, dann machen wir uns eigentlich lächerlich. - Warum? Wer sich derartig ärgert, erweckt den Eindruck, als könne er eigentlich golfen und kontrollieren, was passiert, wenn er selbst an der Reihe ist. „Ich kann’s!“ gilt gemeinhin als der kürzeste Golfwitz, bleibt zeitlebens aber der vielleicht größte Selbstbetrug von uns Golfern. Wenn wir das irgendwann begriffen haben, greifen wir zu einem noch kürzeren WItz. Der lautet schlich: "Gestern...". Es ist lächerlich, wenn wir den Eindruck erwecken wollen, als könnten wir es. Keiner kann dieses Spiel kontrollieren.

 

Persönlich habe ich neulich mit einem jungen Mann in einem Flight gespielt, der hatte Hcp +0,9. Er hatte Hacker und Slices auf der Runde, die meinen in nichts nachstanden. Nur nicht ganz so oft wie ich mit Hcp... - ist ja auch egal. Jedenfalls waren sie da - diese Hacker. Hätte ich ihn anschließend gefragt, ob er golfen kann, dann hätte er mich wahrscheinlich doof angeguckt und gesagt: „Du hast doch gesehen, was für einen Murks ich gespielt habe. Von Können kann gar keine Rede sein.“

 

Bei ihm waren es am Ende zwar nur 5 über Par - und von den hinteren Abschlägen -, aber das ist egal. Es gibt im Golf keine Perfektion. Deshalb tun wir gut daran, aufzuhören, uns über das Ergebnis eines Schlags oder vorbeigeschobenen Putts zu ärgern. Sie sind Teil des Spiels. An manchen Tagen mehr, an anderen weniger. Wir können auf unserem Niveau nicht erwarten, dass wir fehlerlos spielen. Professionelle Golfer könnten es noch am ehesten, aber ich vermute, sie tun es gar nicht.

 

Das Leben ist übrigens auch nicht kontrollierbar. Das brauche ich keinem sagen. Diese Lektion hat jeder schon mehr als einmal gelernt. Was kommt und passiert, wissen wir nicht und ich könnte jetzt eine Reihe sehr grauenvoller Geschichten erzählen, die das Leben schreibt. Sicher auch die eine oder andere sehr schöne. Dennoch ist es eine unumstößliche Tatsache, dass wir von dem einen auf den anderen Moment tot umfallen können. Beeinflussen können wir das, was in der Zukunft liegt, nur selten. Trotzdem bilden wir uns oft genau das ein. Die Wahrheit ist, dass wir unser Leben so wenig kontrollieren können wie das Ergebnis einer 18-Loch-Runde. Wir kontrollieren gar nichts und schon gar nicht konstant. Weder beim Golfen, noch im Leben – wo wir teilweise noch öfter scheitern als beim Golfen.

 

Vielleicht sagte Jesus deshalb mal: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“

Er sagte das im Rahmen der Bergpredigt, Matthäusevangelium 6,34. Golf gab es damals noch nicht, aber man könnte fast den den Eindruck gewinnen, als hätte er uns Golfer schon im Blick gehabt.

 

Wenn in einem Bibeltext ein DARUM steht, muss man nach dem WARUM fragen. Die Verse davor geben uns Aufschluss:

 

"Wer von euch kann dadurch, dass er sich Sorgen macht, sein Leben auch nur um eine einzige Stunde verlängern? Und warum macht ihr euch Sorgen um eure Kleidung? Seht euch die Lilien auf dem Feld an und lernt von ihnen! Sie wachsen, ohne sich abzumühen und ohne zu spinnen ´und zu weben`. Und doch sage ich euch: Sogar (König) Salomo in all seiner Pracht war nicht so schön gekleidet wie eine von ihnen. Wenn Gott die Feldblumen, die heute blühen und morgen ins Feuer geworfen werden, so herrlich kleidet, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern, ihr Kleingläubigen? Macht euch also keine Sorgen! Fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um diese Dinge geht es den Heiden, ´die Gott nicht kennen`. Euer Vater im Himmel aber weiß, dass ihr das alles braucht. Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen, dann wird euch das Übrige alles dazugegeben. Macht euch keine Sorgen um den nächsten Tag! Der nächste Tag wird für sich selbst sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last mit sich bringt."

 

Besser geht’s mit Caddie

Jesus hat sich in diesen Versen an Menschen gerichtet, die an Gott glauben, aber immer wieder Gefahr liefen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. „Ihr Kleingläubigen!“ heißt so viel wie: „Warum vertraut ihr nicht einfach mir; lasst euer Leben von mir gestalten und führen?“ Für uns Golfer: Jesus hat hier auf die Bedeutung hingewiesen, die er als Caddie in unserem Leben haben könnte!

 

Gehören wir zu den im Text genannten „Heiden“, Menschen also, die ihr Leben ohne die persönliche Beziehung zu Jesus leben und gestalten wollen, ist uns vielleicht egal, worauf Jesus hinaus will.

Gehören wir aber zu denen, die sich entschieden haben, niemals ohne den Glauben an Gott, den Schöpfer und seinen Sohn, Jesus, durchs Leben zu gehen, kann uns das nicht egal sein.

 

Ich persönlich gehöre zu denen, die sich eingestehen müssen, dass sie diesen Jesus brauchen. Seine Vergebung, seine Gnade und Barmherzigkeit, aber auch seinen Rat und seine Führung will ich nicht missen. Das gilt nicht nur für die Zeiten, in denen ich in meinem Alltag bildlich gesprochen auf dem Fairway oder Grün liege, sondern vor allem auch in den Zeiten, wo ich im Bunker, im Rough, im Wasserhindernis oder gar im Aus liege.

 

Ich brauche Jesus und den Glauben an ihn als Caddie nicht nur bei Sonnenschein und Windstille, sondern auch im Regen und bei Links-Course-Verhältnissen. Ich wäre ein Narr, wenn ich auf den Beistand meines Caddies verzichten würde.

 

Ich bekenne: Mein Golf ist bisweilen unterirdisch.

Immer wieder neige ich dazu, mir die Runden mit „hätte, könnte und wäre“ schön zu reden und mein Unvermögen zu entschuldigen. Ich versuche den Eindruck zu erwecken, als wäre ich eigentlich jemand, der – wenn alles gut läuft – sein Geld mit Golf verdienen könnte.

 

Ich gebe - zwar nicht gerne - zu, dass diese Neigung, besser dastehen zu wollen als ich bin, in beeindruckender Art und Weise widerspiegeln, wie ich als Mensch gestrickt war. Ich bin sicher nicht der einzige, der glaubt, sein Leben und seine Zukunft selbst bestimmen zu können. Es gibt viele, die etwas leichtsinnig denken, Gott und die Ewigkeit seinen bestenfalls etwas, an das man an Weihnachten und vielleicht an Ostern denken müsste.

 

Ganz ehrlich? Ich habe erkannt, dass ich Erlösung und Hilfe benötige, weil ich nicht so gut war, wie ich glaubte zu sein. Ich habe erkannt, dass die Ewigkeit und echte Erfüllung im Hier und Jetzt nicht von dem abhängt, was ich vorweisen, steuern und kontrollieren kann. Nicht meine guten Taten, meine Fähigkeiten oder mein Erfolg, sondern einzig und allein Jesus Christus wurde für mich die entscheidende Hilfe, die ich brauchte.

 

Aus diesem Grund habe ich ihm eingestanden, dass ich ohne ihn weder ewig, noch im Hier und Jetzt leben kann und will. Ich habe die sehr bewusste Entscheidung getroffen, Jesus zu meinem Kapitän für alle Segeltörns und zum Caddie für alle Golfrunden meines Lebens zu machen.

 

Ich habe ihn gebeten mir zu vergeben: meine Schuld, meinen Egoismus und die falschen Ziele, für die ich gelebt habe. Ich habe angefangen, nach seinem Reich zu trachten; seine Werte und Maßstäbe zu verinnerlichen in Beruf, Ehe und Familie und bei der Ausübung meines leidenschaftlichen Hobbies. IHM zu folgen und ihm zu vertrauen ist die absolute Maxime in meinem Leben: Auf den Fairways und Grüns, aber auch im Rough und Bunker.

Ich bin persönlich davon überzeugt: Wollen wir ein lebenswertes Leben leben, kommen wir an Jesus nicht vorbei.

 

Die Frage stellt sich: Was macht unseren eigentlichen Kern als Golfer aus? – Was ist unsere golferische Identität? Ist es Ehrgeiz, das Streben nach Perfektion, Zorn und Ärger über missglückte Schläge, Genuss, unser Handicap und Score, …?

 

Im Golfen geht es gar nicht so sehr darum, dass ich mich im Schwung und vor dem Schwung mit dem Thema Perfektion befasse, sondern vor allem um Vertrauen. Vertrauen nämlich, dass ein Schlag gelingen kann, weil wir ihn geübt haben. Je weniger wir uns den Kopf machen, ob wir alles Wissen über einen guten Schwung jetzt so zusammenbringen, dass wir im Treffmoment gerade an den Ball kommen, umso so schwieriger wird es. Wenn wir mehr oder weniger vertrauensvoll schwingen und unser Bestes geben, umso eher klappt es.

 

Im Leben geht es auch um Vertrauen, allerdings nicht so sehr in unsere Identität, die sich über Leistung, Besitz oder Handicap definiert, sondern um eine Identität, die sich in Jesus Christus gründet, der - wie ein guter Caddie - am ehesten weiß, was wir tun sollten, um zum Ziel zu kommen. Jesus hat wie ein guter Caddie die gesamte Vorarbeit geleistet; er kennt sich aus. Sein Rat ist Golf wert.

 

Golf ist mein Hobby. Sportpastor - das ist mein Beruf. Karsten ist mein Vorname. Aber Jesus ist mein Leben, meine Identität. – Warum? Der Glaube an Jesus und die Annahme seiner Vergebung, die er am Kreuz für mich bewirkte, ist alles, was es braucht, um ein wirklich erfülltes Leben zu leben und die Garantie auf das Ewige Leben zu haben. Der, der gesagt hat „Wer den Sohn hat, der hat das Leben!“, hat mit seiner Leistung und seinem Opfer am Kreuz auf Golgatha alles das erreicht, was ich nie erreichen kann: Perfektion. Sein Opfer hat mich in Gottes Augen perfekt und annehmbar gemacht! Nicht weil ich es Gott bewiesen hätte, wie toll ich bin. Nein, sondern weil ich verstanden habe, dass es nichts mit Schwäche zu tun hat, wenn ich mich auf Jesus verlasse, der für mein Scheitern das getan hat, was nötig war, um die Sache in Ordnung zu bringen zwischen Gott und mir. Er hat die Rechnung beglichen, die zu begleichen war: Er hat am Kreuz auf Golgatha mit dem Leben bezahlt, damit ich leben kann. Freiwillig übrigens. Aus Liebe.

 

Mein Tipp: Kommuniziere mit diesem Jesus. Wir müssen dafür nicht in eine Kirche oder an einen sakralen Ort gehen. Er hört uns überall. Er hat ein großes Interesse sich dem zu offenbaren, der ihn ehrlichen Herzens sucht. Das kann man erfahren, wenn man zum Beispiel mal das Neue Testament aufschlägt und die Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes liest. Warum eigentlich nicht? Wir lesen ja auch sonst so einiges…

 

 

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