Newsletter

Nachricht

Abschlag - provisorischer Ball - Wasserhindernis

So hier nun die sehr ausführliche, aber hilfreiche Antwort eines DGV-Platzrichters, der die R&R-Rules-School erfolgreich absolviert hat. Er möchte namentlich nicht erwähnt werden, was ich respektiere. Er ist bis dato kein Mitglied der Ichtu's Online

Community, aber auch uns aufmerksam geworden, weil er den Artikel in dem Golfmagazin Golf Aktuell ĂĽber Ichtu's gelesen hat. - Vielen Dank fĂĽr Ihre MĂĽhe.

................................................

Ausgangspunkt der Diskussion war TIMBOS Post:

Ein - wie er selbst meinte - findiger Regelinterpretierer erklärte mir eine besondere Situation beim Abschlag. Was denkt ihr? Stimmt das so? Folgende fiktive Situation (nicht so bei uns geschehen, die Diskussion blieb uns also erspart):  ;)

Der erste Abschlag geht in die BĂĽsche. Der Golfer spielt einen provisorischen Ball, der klar erkenntlich und zweifelsfrei im Wasser landet.

Jetzt behauptete mein Mitspieler, der Golfer hätte die Möglichkeit mit dem dritten Schlag erneut vom Abschlag zu spielen, solange er den ersten Ball wieder findet und ihn für unspielbar erklärt. Begründung: Der Golfer habe noch keinen spielbaren Ball im Spiel, oder so ähnlich.

Was denkt ihr? Ist das so richtig.

Das würde bedeuten, dass man selbst misserabelste Abschläge wieder wett machen kann, und dabei nur einen Strafschlage in Kauf nimmt, aber eigentlich bereits drei Versuche vom Tee hatte.

Wichtig: Hier ist nicht die Rede vom Mulligan oder ähnlichen dikussionsfreudigen Themen.

In diesem Sinne, hoffentlich wird's bald warm... :)

Timbo

...............................................................

 

  1. Erster Absder Ball kann „... außerhalb eines Hindernisses verloren sein“. Damit ist das Spielen eines provisorischen Balls gestattet (Regel 27-2)Regel 20-5). War die Stelle Regel 20-5a) auf dem Abschlag 
  2. Erster provisorischer Ball istnicht außerhalb eines Wasserhindernisses verloren sein könnte, siehe oben)!
    ...
    es sei denn 

1a           Der Spieler findet seinen ursprünglichen Ball, dann  

1aI          ist der erste provisorische Ball aufzugeben:
27-2
c) Provisorischen Ball aufgeben
Ist der ursprĂĽngliche Ball
weder verloren noch im Aus, so muss der Spieler den provisorischen Ball aufgeben und das Spiel mit dem ursprünglichen Ball fortsetzen. Macht der Spieler irgendwelche weiteren Schläge nach dem provisorischen Ball, so spielt er einen falschen Ball und die Vorschriften von Regel 15-3 finden Anwendung.
Anmerkung: Spielt ein Spieler einen provisorischen Ball nach Regel 27-2a, so werden Schläge,
die nach Anwenden dieser Regel mit dem provisorischen Ball gemacht wurden, der anschließend nach Regel 27-2c aufgegeben wird, nicht gezählt und Strafschläge, die nur beim Spielen dieses Balls anfielen, bleiben außer Betracht. (weder der Schlag noch die Tatsache,
dass er im Wasserhindernis zur Ruhe gekommen ist, „zählen“, alles ist gut).
 

1aII        „... muss der Ball gespielt werden, wie er liegt, sofern die Regeln nichts Anderes vorsehen“
(Regel 13-1).
Hält der Spieler seinen Ball für unspielbar (
Regel 28), so muss er mit einem Strafschlag
a) einen Ball so nahe wie möglich der Stelle spielen, von der der ursprüngliche Ball zuletzt gespielt wurde (siehe
Regel 20-5) oder
b) einen Ball in beliebiger Entfernung hinter dem Punkt ... („Linienoption“) oder
c) einen Ball nicht näher zum Loch innerhalb zweier Schlägerlängen von der Stelle, an der er lag, fallen lassen.
An dieser Stelle anstatt Option a) anzuwenden, also den provisorischen Ball „zu nehmen“ ist
nicht zulässig, der Spieler in der obigen Sachdarstellung hat also Glück gehabt - wenn er die Regeln gekannt hätte, wenn nicht – wie „Jangolft“ – so kann es zur Disqualifikation führen, doch davon später!
Jemand hat mal zu mir gesagt: „Der provisorische Ball ist kein „Auswahldrive“!
 

1b           Der Spieler findet seinen ursprünglichen Ball nicht, dann ist der erste provisorische Ball
- mit 3 Schlägen -
„Ball im Spiel“.

2.            Da der „Ball im Spiel“ im Wasserhindernis verloren ist, „so darf der Spieler mit einem Strafschlag
a) einen Ball so nahe wie möglich der Stelle spielen, von der der ursprüngliche Ball zuletzt gespielt wurde (siehe
Regel 20-5) oder
b) einen Ball in beliebiger Entfernung hinter dem Wasserhindernis fallen lassen, wo bei der Punkt, an dem der ursprüngliche Ball zuletzt die Grenze des Wasserhindernisses gekreuzt hat, auf gerader Linie zwischen dem Loch und der Stelle, an der der Ball fallen gelassen wird, liegen muss; („Linienoption“) oder
c) als zusätzliche Wahlmöglichkeiten nur dann, wenn der Ball zuletzt die Grenze eines seitlichen Wasserhindernisses gekreuzt hat, außerhalb des Wasserhindernisses einen Ball fallen lassen innerhalb zweier Schlägerlängen von dem Punkt und nicht näher zum Loch als (I) der Punkt, an dem der ursprüngliche Ball zuletzt die Grenze des Wasserhindernisses gekreuzt hat, oder (II) ein Punkt an der gegenüberliegenden Grenze des Wasserhindernisses, gleich weit vom Loch entfernt.

Meine Entscheidung mag falsch sein! Sie wäre jedoch endgültig, wenn ich ein „von der Spielleitung bestimmter Platzrichter“ wäre (Regel 34-2).

Nachfolgend meine Kommentare zu einzelnen Forumszitaten:

“Regelinterpretierer“
Ich bin kein Regelinterpretierer, sondern einer, der sich die Regeln (vor-)lesen muss, um sie auch richtig anwenden zu können. Mein Mentor riet mir dazu,
niemals ohne ein Regelbuch in Griffweite ĂĽber die Regeln zu diskutieren, deshalb habe ich oben die Regelzitate aus http://www.golf.de/dgv/rules4you/regeln/index.cfm eingebaut, deshalb die sehr ausfĂĽhrliche/langatmige Darstellung oben.

„Mulligan – wir sagen „drei“ dazu!“
Es ist
kein provisorischer Ball nach Regel 27-2 „Der Spieler muss ... unterrichten, dass er einen provisorischen Ball zu spielen beabsichtigt“ Also hat er, unter welchen Umständen auch immer, einen neuen Ball mit „Strafschlag und Distanzverlust“ ins Spiel gebracht, was durchaus gestattet ist („Allheilmittel im Golfsport“).

“... nicht jeder weitere provisorische einen Strafschlag nach sich zieht.“
Anmerkung (zu Regel 27-2c): Spielt ein Spieler einen provisorischen Ball nach Regel 27-2a, so werden Schläge, die nach Anwenden dieser Regel mit dem provisorischen Ball gemacht wurden, der anschließend nach Regel 27-2c aufgegeben wird, nicht gezählt und Strafschläge, die nur beim Spielen dieses Balls anfielen, bleiben außer Betracht.
Anmerkung (zu Regel 27-2a): Kann ein nach Regel 27-2a gespielter provisorischer Ball außerhalb eines Wasserhindernisses verloren oder im Aus sein, so darf der Spieler einen weiteren provisorischen Ball spielen. Ist ein weiterer provisorischer Ball gespielt, so steht dieser zum vorigen provisorischen Ball im selben Verhältnis wie der erste provisorische Ball zum ursprünglichen Ball.
... will Folgendes sagen: Ein Spieler spielt seinen Abschlag ins Aus, dann seinen ersten proviso­rischen Ball „links in die Grütze“ anschließend einen zweiten provisorischen Ball ins Aus und seinen dritten provisorischen Ball „rechts in das Gemüse“. Den ersten findet er im Aus, den ersten provisorischen Ball findet er nicht, den zweiten provisorischen Ball findet er ebenfalls im Aus und den dritten Ball findet ein mitleidiger Zuschauer, so „liegt“ der Spieler:
1 ursprĂĽnglicher Ball (+1 Strafschlag - Ball im Aus)
+1 erster provisorischer Ball (+ 1 Strafschlag - Ball verloren)
+1 zweiter provisorischer Ball (+ 1 Strafschlag – Ball im Aus)
+1 dritter provisorischer Ball, in Summe:
= 7 Schläge. Die Stablefordpunkte erspare ich mir an dieser Stelle.
Die beiden letztgenannten Strafschläge werden gerne außer Acht gelassen, weil es
„doch nur ein provisorischer Ball war“. Diese ist eine Nichtanwendung einer Regel (Regel 1-3),
was zwangsläufig zur Disqualifikation führt.


“Tim“
kommt nach meiner Regelentscheidung schon ziemlich nahe, wobei „
4. Folge“
nicht die einzige Option ist, und der gefundene Ball weiterhin „Ball im Spiel“ ist.

“Mein Pro weiß die Antwort“,
ist eine fromme Hoffnung, die ich nicht nachvollziehen kann, wenn ich sehe, wie viele Platzrichter bei einem Profiturnier zum Einsatz kommen ... Wie hat Ihr Pro denn entschieden?

Die „gedachte Fluglinie“
ist so ein Ammenmärchen aus uralter Zeit. Ich spiele seit 40 Jahren Golf und kann mich nicht
an so etwas erinnern. Von der
gedachten Fluglinie des Balles interessiert mich nur
„... der Punkt, an dem der ursprüngliche Ball zuletzt die Grenze des Wasserhindernisses gekreuzt hat ...“, siehe auch
http://www.golf.de/dgv/rules4you/kids/loch5.cfm.

Jangolft
liegt nicht richtig, wenn er den provisorischen Ball „im Sinne eines zügigen Spiels“ am Wasser­hindernis weiter spielt - wie oben erwähnt, der provisorische Ball ist kein „Auswahldrive“,
sondern in dem Fall ein „falscher Ball“ nach
Regel 15-3b):
Regel 15-3
b) Zählspiel
Macht ein Bewerber einen Schlag oder Schläge nach einem falschen Ball so zieht er sich die Strafe von zwei Schlägen zu.
Der Bewerber muss seinen Fehler durch Spielen des richtigen Balls beheben oder nach den Regeln verfahren. Behebt er seinen Fehler nicht, bevor er einen Schlag auf dem nächsten Abschlag macht, bzw. versäumt er, sofern es sich um das letzte Loch der Runde handelt, die Absicht zur Behebung seines Fehlers anzukündigen, bevor er das Grün verlässt, so ist er disqualifiziert.

Zügiges Spiel ist keine Entschuldigung für Regelverstöße.

Veröffentlicht am 17.08.2011 © Karsten Gosse
In Cooperation mit

kehl1 kircher1 wtbau1 procom1 hoffmann1 wassermann1