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Wider die Klischees

talkEddie war es, der mich auf einer Golfrunde nachdenklich machte, als er sagte: “Ich habe aufgehört, Menschen, die nicht Golf spielen, zu erklären, warum mich Golf so fasziniert. Die können das irgendwie nicht begreifen.“

„Ja“, sagte ich, „das ist tatsächlich ein schwieriges Unterfangen. Das beste Beispiel dafür sind solche, denen – wie einem meiner ehemaligen Studenten – nichts Besseres einfällt, als frotzelnd spottend über meine Golf-Leidenschaft zu sagen, dass ich ja nur mit einem ‚Krückstock‘ spazieren ginge. Was soll man dazu sagen?“ Fakt ist: Nur wer es probiert, wird die Erfahrung machen, dass dieser Sport begeistert und eine unbeschreibliche Leidenschaft entfacht.

Als Eddy das so sagte, war ich noch ganz am Anfang und traf kaum einen Ball, aber die Leidenschaft hatte mich gepackt. Es gab kein Zurück und es war klar, dass ich Golf zeitlebens nicht mehr missen wollte.

Während meiner Runde mit Eddy musste ich daran denken, dass es noch etwas gibt, bei dem es ähnlich schwierig ist, Menschen die Faszination und Leidenschaft zu vermitteln, die man empfindet: Authentischer Glaube an Jesus Christus. Also nicht dieser institutionalisierte Glaube, der mehr oder weniger gedankenlos irgendwelchen Traditionen huldigt. Glaube, der am Sonntag und im Alltag seinen Platz hat - in der Familie, im Beruf und auf dem Golfplatz. Für ihn braucht man sich nicht zu schämen, denn er ist relevant und wirkt sich auf mich und mein Umfeld positiv aus.

Wie im Golf, gibt es auch gegenüber dem christlichen Glauben eine Menge Klischees. Genauso gibt es berechtigte Einwände und Kritik an dem, was Menschen als sogenanntem christlichem Glauben wahrnehmen. Im Laufe der jüngeren Geschichte haben etliche offizielle Vertreter der Kirchen kläglich versagt. Da muss nichts schöngeredet werden. Ich bekomme das immer wieder zu spüren, wenn ich zu unseren christlichen Turnierserien einlade. Als Sportpastor und Christ ärgert es mich, dass es Menschen gibt, denen das Etikett ´Christ` anhaftet, aber kein Christus drinsteckt. Diese Spezies sorgt dafür, dass das Interesse am Glauben genauso wenig aufkommt wie das Interesse am Golfen, wenn man mit so manchen Exoten des „Golfertums“ in Berührung kommt. Typen, die dir das „Tages-Du“ anbieten und auf „Schöner Schlag!“ antworten, „Wie wollen Sie das mit Ihrem Handicap überhaupt beurteilen?“ - Klischees bestätigen sich hüben wie drüben.

Jeder von uns weiß, dass isolierte Beobachtungen vorschnell zu falschen Rückschlüssen und Verallgemeinerungen führen. Lügen werden zu Wahrheiten. Das negative Verhalten einzelner Exoten wird dann schnell auf alle angewandt. Typisch Golfer! Mehmet Scholl - eigentlich ein intelligenter Mensch - bedient im öffentlich-rechtlichen Fernsehen immer wieder mal das Klischee, dass Golf nur etwas für alte Leute sei, wenn er sagt: „Ich golfe nicht, denn ich hab‘ noch Sex.“

Das oben erwähnte Klischee mit der Krücke geht in dieselbe Richtung und wird öfter für Christen bemüht als für Golfer. Glaube als Krücke, weil man nicht stark genug sei, das Leben ohne zu meistern. Der deutsche Ausnahmegolfer Bernhard Langer sagte dazu: „Manche Leute betrachten das Christentum als eine Art Krücke für schwache Menschen. Das halte ich definitiv für falsch. Ich betrachte mich als einen starken Menschen, aber trotzdem brauche ich Gott in meinem Leben.“

Der Begriff „Christ“ war im 1. Jh. übrigens ein Schimpfwort für diejenigen, die Jesus zu ihrer Leidenschaft, Faszination und Priorität gemacht haben. Das Leben der ersten Christen hatte sich durch Jesus total verändert. Das konnten viele nicht einordnen und fingen an zu spotten. Andere nahmen an der positiven Veränderung ihrer Freunde und Nachbarn wahr, dass dieser Jesus etwas hat und gibt, was sich von den religiösen Phänomenen der damaligen Zeit stark unterschied. Sie probierten es, glaubten und wurden nicht enttäuscht. Für Golf und Glauben gilt gleichermaßen: „Sehet und schmecket!“ Anders ausgedrückt: Nur wer es probiert, kann auch wirklich erleben, was es mit einem macht.

Eddy hat aufgegeben, anderen zu erklären, was ihn am Golf so fasziniert. Das kann ich irgendwie verstehen. Aber ich bin ein ehrgeiziger Golfer und ein entschiedener Christ, der möchte, dass sich seine christlichen Werte im eigenen Handeln widerspiegeln. Vor allem aber wünsche ich mir, dass meine golfenden Freunde Jesus die Chance geben, die ich dem Golfsport gab - Klischees hin oder her. Dazu lade ich ein.

Veröffentlicht am 02.06.2016 © Karsten Gosse
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