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Tiger on Top! – Gnade und Vergebung

Im zurückliegenden Jahr haben selbst viele derer, die mit Golf nichts am Hut haben, die Escapaden des Tiger Woods in den Medien verfolgt. Völlig normal. Das Leid anderer Menschen ruft gewöhnlich Schaulustige auf den Plan.

Als Tiger seine viel diskutierte „Buß-Pressekonferenz“ im TV gab, war ich selbst in den USA und saß in Texas über einem riesigen Steak, dem ich nicht Herr wurde. Ich bekam die Reaktionen der Landsleute Tigers aus nächster Nähe mit. Die meiner eigenen verfolgte ich online auf Focus, Welt und Spiegel.

Ich weiß nicht, was mich persönlich mehr schmerzte. War es...

...dieser unerwartete Absturz Tigers und dieser öffentliche Versuch, sein Image aufzupolieren? Oder war es die radikale, brutale und gnadenlose Art und Weise wie er in den Medien zerrissen wurde?

Der plötzliche Niedergang eines Stars, gefolgt vom Zerbruch seiner Familie und – weil Golf ein „mental game“ ist – konsequenterweise das Ende seiner unvergleichlichen Dominanz als bester Golfer der Welt. Tigers Spiel ging – so wie der Rest seines Lebens – den Bach runter. Der Verlust der Weltranglisten-Position Nr. 1, die er seit über 5 Jahren inne hatte, folgte kürzlich. Die Saison ist vorbei und kein einziger Turniersieg 2010 für Tiger und somit das erste Profijahr seiner Karriere ohne Titel.

Oder etwa doch nicht?

Ein kleines Turnier spielt er in diesen Tagen noch. Es ist die „Chevron World Challenge“, deren Gastgeber Tiger Woods selbst ist. Der Erlös kommt seiner Stiftung zugute, die Programme zur Gesundheitserziehung und schulischen sowie sozialen Förderung von Kindern und Jugendlichen fördert.

Dort in Kalifornien treffen sich auf Einladung von Tiger Woods u.a. 11 der TOP 25 des Fedex-Cups. Mit dabei einige hochkarätige Spieler aus Europa. Namen wie Furyk, Kuchar, Donald, Dustin Johnson, Casey, Stricker, Watney, Zach Johnson, Mahan, Bubba Watson und Villegas. Aus Europa sind Spieler wie  McDowell, McIllroy, Poulter, Casey und Luke Donald dabei. Was für ein edeles Turnier!

Und wer führt nach Tag 1 das Leaderboard an? Tiger mit einer 65er Runde. Ein Gefühl, das er lange nicht mehr hatte. – Mich freut das.

Ich wünsche ihm Wiederherstellung. Die Wiederherstellung seines Spiels, seines Rufs und vor allem die seiner gebeutelten Seele. Tiger ist ein Fall für den Mulligan – die 2. Chance. Weil Golf ein Spiel ist, das man nur dann gut über die Runde bringt, wenn auch die Sache mit Seele stimmt, braucht Tiger vor allem eines, damit die Seele Erleichterung erfährt: Vergebung.

Gerade  Menschen, denen er unglaublich viel Schmerz bereitet hat, mag das schwer fallen. Allen voran seiner inzwischen von ihm geschiedenen Ehefrau. Auch Fans und Sponsoren haben mit ihm gebrochen. Dennoch hat er in den zurück liegenden Wochen und Monaten auch Zuspruch bekommen. Ihm wurde „Gnade“ gezeigt. Die Berufung ins Ryder Cup Team durch Corey Pavin, einem guten Freund Bernhard Langers, war m.E. das deutlichste Signal dieser Art.

„Gnade“, so sagte mal jemand, „ist die unverdiente Hinwegnahme einer eigentlich verdienten Strafe.“

Die Vergebung, die Tiger benötigt, bedarf zusätzlich einer höheren Instanz als allein der menschlichen. Einer von der Art, die Gottes Sohn, Jesus Christus, bedingungslos schenkt. Der kennt sich mit Leuten wie Tiger und solchen traurigen Situationen aus.

Jesus sagte mal in einem ganz ähnlichen Zusammenhang zur wütenden, aufgebrachten und mordlustigen Meute einiger Ankläger, die eine Frau in flagranti beim Ehebruch erwischten: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“

Es fällt auf, dass die Bedingung Jesu nicht lautete: „Wer von euch eine vergleichbar schlimme Sünde wie Ehebruch begangen hat, werfe den ersten Stein auf sie.“ Nein, Jesus hat die Art der Sünde nicht definiert, weil das völlig unerheblich war und ist. Jeder hat Dreck am Stecken. Ob er nur lügt, die Ehe bricht oder eben Schlimmeres tut. Die Lösung, um der Sünde des Menschen Herr zu werden, ist weder die öffentliche Demütigung noch das Zerreißen des Rufs eines Menschen. Die Lösung stand damals und steht heute in der Person Jesu vor dem Sünder  und den Anklägern gleichermaßen. Von ihm sagt der Evangelist Johannes: „Jesus ist voller Gnade und Wahrheit.“

Übrigens. Die beim Ehebruch ertappte Frau war wohl ziemlich platt, dass sie wider Erwarten nicht gesteinigt wurde. Die vermeintlichen Ankläger schlichen nach Jesu Aufruf, den ersten Stein zu werfen, davon – die mit mehr Lebenserfahrung gingen zuerst. Warum wohl?

„Hat dich niemand verurteilt?“, fragt Jesus die Frau, die hilflos vor ihm steht. „Niemand, Herr“, lautete ihre Antwort. Darauf Jesus: „Dann verurteile auch ich dich nicht!“

Das Schlusswort Jesu: „Geh hin und sündige hinfort nicht mehr.“ – Jesus wußte, dass ein Mensch sich verändert, wenn er ihm begegnet.

Den Bibeltext zur Story findet sich in Johannes 8.

© Sportpastor Karsten Gosse, ICHTU’S – Christen im Golfsport e.V. - 3.12.2010

Veröffentlicht am 02.12.2010 © Karsten Gosse
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