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Konzentration auf das Wesentliche - Lk 12,13ff

Lukas 12,13-34

Es gab wohl mal eine Zeit in England, da existierten raue Sitten in Sachen Kredite und RĂŒckzahlung derselben. Bekam man Geld geliehen, dann konnte der Kreditgeber den Schuldner sofort in den Kerker befördern lassen, wenn dieser die Summe nicht auf Verlangen erstattete – selbst, wenn er es frĂŒhzeitig zurĂŒck forderte.

Ein alter und sehr hĂ€sslicher, fieser Mann lieh einem anderen, armen Mann und Vater einer hĂŒbschen Tochter, Geld. Eines Tages forderte er das Geld von letzterem zurĂŒck, als er ihn in Begleitung seiner Tochter traf. Die RĂŒckforderung kam viel zu frĂŒh fĂŒr den Verschuldeten. Kerker wĂ€re die logische Konsequenz gewesen. Aber der alte, hĂ€ssliche Mann hatte andere PlĂ€ne. Er wollte das Geld nicht. Ihm lag an der hĂŒbschen Tochter. Der  hinterlistige Alte zwang seinem Schuldner einen Handel auf.

Er wolle einen schwarzen und einen weißen Stein vom kiesigen Untergrund nehmen und beide in einen Sack stecken. Die sehr hĂŒbsche Tochter des Schuldners dĂŒrfe dann einen der beiden Steine ziehen. WĂ€re es der schwarze Stein, dann bekĂ€me der hĂ€ssliche Alte des Schuldners hĂŒbsche Tochter zur Frau, aber dafĂŒr wĂŒrden ihm als Vater die Schulden erlassen. Zöge sie den weißen Stein, dann wĂ€re er seine Schulden los und seine Tochter bliebe ihm auch erhalten.

Der Alte bĂŒckte sich und hob blitzschnell zwei Steine vom kiesigen Boden auf, auf dem sie standen. Nur das MĂ€dchen bemerkte, dass es zwei schwarze Steine waren und der hĂ€ssliche Alte sie hinters Licht fĂŒhren wollte. Sie musste nun einen Stein aus dem Sack ziehen.

Was also tun? Wie soll das MĂ€dchen reagieren?

Wir hĂ€tten wohl kurzen Prozess mit dem alten Mann gemacht, beide Steine aus dem Sack geholt und ihn gezwungen, einen davon zu verschlucken. Oder wir wĂŒrden uns möglicherweise weigern, einen Stein rauszunehmen. Oder was auch immer...

Vor Wut - und das ist der springende Punkt - hĂ€tten wir wahrscheinlich das Wesentliche (die Rettung aus der misslichen Lage) aus dem Auge verloren. Unser Lösungsansatz wĂŒrde wohl nicht unbedingt zu einer friedlichen Lösung der Situation beitragen.

Was also tat das MĂ€dchen?

Es griff in den Sack, zog einen der beiden schwarzen Steine und ließ ihn sofort auf den Boden mit den Kieselsteinen fallen. Dann stellte sie sich ein wenig dĂŒmmlich und sagte: „Es tut mir so leid, dass ich den Stein habe fallen lassen.“ Sie strich dem Alten noch ein wenig Honig um den Bart, indem sie seine GutmĂŒtigkeit rĂŒhmte, weil er ihnen eine Fifty-Fifty-Chance eingerĂ€umt habe und sagte schließlich: „Die Farbe des im Sack verbliebenen Steins wĂŒrde ja offen legen, welche Farbe der Stein hatte, der versehentlich zu Boden fiel.“

Das MĂ€dchen wusste, dass es im Kern darum geht, ihren Vater und sich selbst zu retten. Das war ihe PrioritĂ€t. Den hĂ€sslichen Alten bloßzustellen war zwar eine Option, hĂ€tte aber mehr Probleme als alles andere hervorrufen können. Sie hatte den Blick fĂŒr das Wesentliche.

Auch Jesus ist jemand, der den Blick fĂŒr das Wesentliche hat. Er sieht das, was an der OberflĂ€che ist und krankt, dringt aber tiefer und sucht die Wurzel des Problems, um es grĂŒndlich zu lösen.

MissstĂ€nde gibt es viele, die an die OberflĂ€che kommen wie die Symptome einer Krankheit. Zur Wurzel des Übels vorzudringen, ist eine SpezialitĂ€t Jesu. Symptome sind fĂŒr ihn sekundĂ€r. PrioritĂ€t hat die Behebung des Kernproblems. Letztlich opferte er sich fĂŒr das Kernproblem des Menschen schlechthin - SĂŒnde. Lukas 12,13ff erzĂ€hlt die Geschichte von ein paar krankhaften Symptomen und der Wurzelbehandlung durch Jesus.

Es geht mir bei den folgenden Gedanken gar nicht so sehr darum, den Finger in konkrete Wunden zu legen, die der ein oder andere von uns haben mag.

Wenn wir aber begreifen und lernen, dass es sich lohnt, sich von Jesus helfen zu lassen, die Wurzel unserer Probleme zu behandeln, anstatt nur an Symptomen rum zu doktern, dann ist viel gewonnen.

Der Kontext: In Lk 12,1-12 schildert Jesus das Leben eines JĂŒngers und warnt seine Nachfolger, nicht dem Druck zu erliegen, sich der Welt anzupassen und wie die PharisĂ€er zu werden, die die AnsprĂŒche, die sie an andere hatten, selbst nicht erfĂŒllen. Jesus hasst Heuchelei wie die Pest.

Jesus macht hier klar, dass es eine Art Druck gibt, die den Christen zu vernichten sucht. Tod durch Verfolgung war damals und ist auch heute in vielen Teilen der Welt die Konsequenz ernsthafter Jesusnachfolge.

Jesus weiter macht klar, dass es Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod fĂŒr alle die gibt, die ihn kennen und, die – wie Joh 1,12 sagt – sich bewusst entschieden haben mit ihm zu leben und deshalb „Gotteskinder“ genannt werden dĂŒrfen.

Und mitten hinein in die AusfĂŒhrungen ĂŒber der ehrlich gemeinten Christusnachfolge platzt ein Mann mit seinem Anliegen.

V. 13: Einer aus der Volksmenge aber sprach zu ihm: Lehrer, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teile

Auch wenn wir das unverschÀmt finden, erweist der Mann Jesus und seinem rabbinisches Urteil Respekt, wenn er ihn als Lehrer anspricht. Juden haben ihre privaten Streitereien oft den Rabbis vorgelegt. Wir wissen nicht genau, worum es hier geht. Aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass dem Mann weniger an einer objektiven EinschÀtzung der Sache, sondern an einer parteiischen Entscheidung zu seinen Gunsten gelegen war.

Dass sich Jesus da nicht drauf einlĂ€sst, finde ich gut! – Jesus ließ sich nicht fĂŒr unlautere Interessen anderer vereinnahmen.

Er ignoriert dieses erste oberflĂ€chliche Symptom der Erbstreiterei und arbeitet sich zur Wurzel des Problems vor und warnt vor Habsucht, Raffgier. Sie ist im Grunde aber auch nur ein weiteres Symptom auf dem Weg zum Wurzel des Übels. V.14: Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich als Richter oder Erbteiler ĂŒber euch eingesetzt?

Es sieht vordergrĂŒndig so aus, als zeige Jesus dem Mann die kalte Schulter und als ginge er gar nicht auf ihn ein. Er tut das aber sehr wohl –grĂŒndlich, nicht oberflĂ€chlich und mit Blick fĂŒr das Eigentliche. Jesus hatte erkannt, dass Erbstreiterei nur eines von mehreren Symptomen tiefer liegender Probleme des Manes und anderer Zuhörer war und entschied sich, darauf nicht einzugehen und mischte sich in diese Familienangelegenheit nicht ein.

Jesus ist das Vorbild schlechthin, wenn es darum geht, das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren. Er blieb seiner Mission treu und verlor seine Zeit nicht mit NebensĂ€chlichkeiten wie Erbstreiterei. - Er kam schließlich, um Menschen zu Gott zu bringen und nicht Reichtum zum Menschen.

V.15: Er sprach aber zu ihnen: Seht zu und hĂŒtet euch vor aller Habsucht! Denn auch wenn jemand Überfluss hat, besteht sein Leben nicht aus seiner Habe.

Zuerst mal fÀllt auf, dass Jesus sich hier nicht nur an den Mann, sondern an alle Zuhörer wendet.

Im Kontext vieler hier im Golfpark anwesender und wohlhabender Menschen sei gesagt, dass Jesus hier nichts gegen Reichtum und Besitz  an sich sagt. Das tiefer liegende zweite Symptom der Habsucht erwĂ€chst allerdings oftmals aus Reichtum, weil „das Verlangen, nicht genug zu haben/bekommen“ nicht selten von uns Menschen Besitz ergreift.

Habsucht, so macht Jesus klar, richtet sich gegen das, was das Leben eigentlich ausmacht: Beziehungen. Denn Habsucht macht egoistisch und letztlich einsam. Dem Materiellen im Leben mehr als anderem Bedeutung beizumessen, ist nicht viel anders, als der Anbetung des Geschaffenen Vorrang vor der Anbetung des Schöpfers zu geben. Nicht umsonst hat Jesus gesagt, dass man nicht zwei Herren dienen kann: Gott und dem Mammon.

An anderer Stelle im NT wird Habsucht sogar als Götzendienst bezeichnet (Eph 5,3; Kol 3,5), was wiederum in der Bibel die deutlichsten und drastischsten Worte Gottes zur Folge hat. Da wird Gott stocksauer. Er teilt seine Ehre nicht. Diese falsche Art der Anbetung lÀsst Menschen vor etwas niederfallen, was der Anbetung nicht wert ist.

Als reich kann man sein Leben bezeichnen, wenn es reich ist im Blick auf Gott und seine geistlichen Segnungen (Epheser Kapitel 1); nicht nur wenn es reich ist im Blick auf Dinge, GegenstĂ€nde, Erreichtes, Ruhm, usw. Selbst die Aussage „Hauptsache Gesundheit“ als GlĂŒckwunschbegleitfloskel zum Geburtstag, Neujahr oder sonst was, ist nicht die Hauptsache. Gesundheit ist was Feines, aber sie ist nicht die Hauptsache.

Um der Sache mit der Habsucht etwas mehr Nachdruck zu verleihen, erzÀhlt Jesus ein Gleichnis und geht damit ein drittes Symptom an: Egoismus.

V. 16-21: Das Land eines reichen Menschen trug viel ein. 17 Und er ĂŒberlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Denn ich habe nicht, wohin ich meine FrĂŒchte einsammeln soll. 18 Und er sprach: Dies will ich tun: ich will meine Scheunen niederreißen und grĂ¶ĂŸere bauen und will dahin all mein Korn und meine GĂŒter einsammeln; 19 und ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele GĂŒter liegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich! 20 Gott aber sprach zu ihm: Du Tor! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, fĂŒr wen wird es sein? 21 So ist, der fĂŒr sich SchĂ€tze sammelt und nicht reich ist im Blick auf Gott.

Ein paar Gedanken zu diesem Gleichnis.

Der Mann wird nicht nĂ€her bestimmt. Keine Details. Kein Name. Kein Wohnort, nicht einmal seine bevorzugte Automarke. – So können sich die meisten Leute in PalĂ€stina mit ihm identifizieren, weil ihnen die Elemente des Gleichnisses aus dem Alltag vertraut sind. Der Mann hat sich seinen Reichtum wahrscheinlich gar ehrlich verdient, ist selbst sehr bodenstĂ€ndig und kein Neureicher, der mit Papas Geld das Leben genießt. Er lebte auch nicht von den Zinsen seines in Lichtenstein angelegten Vermögens, stand auf keiner SteuersĂŒnder-CD und hat nicht an der Börse spekuliert. Er war ein tĂŒchtiger Landwirt. Jeder jĂŒdische Zuhörer Jesu hĂ€tte das nach seinem alttestamentlichen VerstĂ€ndnis als „Segen Gottes“ gedeutet. Ja, Gott hat tatsĂ€chlich gesegnet.

Und doch steckt in diesem „Segen“ eine große Gefahr , nĂ€mlich egoistisch und ĂŒberheblich zu werden. Das wird vielleicht am ehesten darin deutlich, dass Jesus die Story so pointiert erzĂ€hlt, dass man schwerlich die „Ich-meiner-mir-mich-Lastigkeit“ der ErzĂ€hlung ĂŒberhören kann. (In den Versen 17-19 steht im Griechischen 4x MEIN und 8x ICH) – Der Mann wurde schlicht zum Egomanen, was ein naheliegendes und bekanntes Risiko großen Reichtums ist.

Selbst seine Zukunftsperspektive ist egozentrisch. Er hat seinen Reichtum angehĂ€uft, ihn nicht mit BedĂŒrftigen geteilt, Gott nicht fĂŒr ihn gedankt. Er war nur sich selbst verantwortlich. Ein Teufelskreis von Habsucht und Egoismus ist die Folge, bis Gott ihn zur Verantwortung zieht. Gott nennt ihn einen Narr/Dummkopf und fordert seine Seele. Seine Seele hatte auf Erleichterung und Genuss spekuliert und sieht sich jetzt in der Situation Gott Rechenschaft geben zu mĂŒssen. Was fĂŒr ein Bild des Kontrasts, das Jesus hier malt! – Lehre uns bedenken, dass wir sterben mĂŒssen, auf dass wir klug werden (Ps 90). WofĂŒr, oder besser: FĂŒr wen leben wir?

Es gibt ein zu spĂ€t. Das Wesentliche aus den Augen verloren, PrioritĂ€ten falsch gesetzt. Ein Schicksalsschlag und
 unverhofft kommt oft. – Keiner ist ausgenommen – auch der Frommste nicht. Ob wir morgen noch leben - niemand weiß das. Das ist die RealitĂ€t, die wir gerne verdrĂ€ngen. Und dann?

Socrates sagte mal: Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen, der Dumme weiß alles besser!

Trotz der FĂŒlle seines Besitzes steht er vor Gott arm und leer da.

Jesus macht klar, dass Reichtum und Besitz als PrioritĂ€t unseres Lebens ein gravierender Fehler sind. Haben und Halten mag kurzfristig befriedigend sein, nicht aber auf lange Sicht. Das Gleichnis und auch Jesus verurteilen nicht Besitz und Wohlstand generell. Es geht in diesem Gleichnis auch nicht in erster Linie um Reichtum, sondern darum, wie ich damit umgehe. Dieser Mann dachte – obwohl sehr reich – nicht an andere und nicht an Gott, sondern nur an sich. - und das ganz viel.   â€“ Und wir?

Wenn wir uns also darĂŒber Gedanken machen, möglichst viel aus dem Leben raus holen zu wollen, dann sollten wir von der Ewigkeit her denken lernen. Was wir als Reichtum betrachten, das kann vor Gott schnell zur Armut werden. Deshalb lohnt sich der Blick auf unseren NĂ€chsten.

Und ab jetzt wendet Jesus sich nochmals ganz bewusst denen zu, die ihm folgen – seinen JĂŒngern. Sie werden die zukĂŒnftigen Movers und Shakers sein und die grĂ¶ĂŸte und effektivste Bewegung leiten, die die Welt je gesehen hat. Alles, was er jetzt sagt, sagt er ihnen, nicht der Masse.

V. 22: Er sprach aber zu seinen JĂŒngern: Deshalb sage ich euch: Seid nicht besorgt fĂŒr das Leben, was ihr essen, noch fĂŒr den Leib, was ihr anziehen sollt.

Jesus ist ĂŒbrigens immer noch nicht zur Wurzel des Problems vorgedrungen. Ein viertes Symptom wird behandelt: die Sorge.

Erbstreitereien, Habsucht und Egoismus sind Belege dafĂŒr, dass der Mensch nicht genug bekommen kann. Die Sorge als eine Art Geschwisterpaar hat Angst, nicht genug zu haben.

Jesus will seinen JĂŒngern verdeutlichen, dass sie sich nicht sorgen mĂŒssen, weil Gott sich liebevoll um sie sorgt. Das wird an verschiedenen Illustrationen deutlich, die Jesus hier im Text gebraucht. Die Sicherheit, die man in Besitz und Reichtum sucht, ist in nur im persönlichen VerhĂ€ltnis zu Gott zu finden. Jesus begrĂŒndet das in Vers 23.

V.23: Das Leben ist mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung. Was er hier sagt ist: „Leben ist mehr als Haben!“ Unser Wert, unser Lebenssinn, unsere IdentitĂ€t liegt nicht in dem, was wir leisten, erreicht haben oder besitzen. Unser Wert liegt in dem unglaublichen und ungeheuerlichen Vorrecht, mit Gott in friedlicher Gemeinschaft leben zu dĂŒrfen, wenn wir uns denn dafĂŒr entscheiden, das Werk Jesus am Kreuz persönlich in Anspruch zu nehmen. – Nein, Gott sehnt sich nicht nach uns, weil wir so toll wĂ€ren, sondern obwohl wir alles andere als toll sind, hat er in Jesus die BrĂŒcke zu uns Menschen geschlagen.

Jesus macht an der Schöpfung wie Spatzen (V.24), Lilien (V. 27), Gras (V.28a) – deutlich, dass sein Vater viel Liebe zum Detail beweist, aber auch, dass dessen Liebe und FĂŒrsorge fĂŒr uns Menschen alles bei Weitem ĂŒbersteigt, was wir an Schönheit, Wunderbaren und Unbeschreiblichen in der Schöpfung vorfinden. Der Mensch als Geschöpf Gottes ist Gegenstand der Liebe und Zuwendung Gottes. Er ringt um ihn, weshalb es umso tragischer ist, dass man Ihn ignoriert. Unvorstellbar wie viel FĂŒrsorge Gottes die erwartet, die seine Kinder werden. Deshalb ist das Sorgen auch so unnĂŒtz! Nichts anderes drĂŒcken die Verse 25-26 aus: V.25-26: Wer aber unter euch kann mit Sorgen seiner LebenslĂ€nge eine Elle zusetzen? Wenn ihr nun auch das Geringste nicht könnt, warum seid ihr um das ĂŒbrige besorgt?

Erst neulich hörte ich wieder, dass ĂŒber 90% der Sorgen, die wir uns machen (wissenschaftlich nachweisbar) unbegrĂŒndet sind und nicht eintreffen. – Was sind deine Sorgen?

Schließlich und endlich kommt Jesus zur eigentlichen Wurzel des Problems und verbindet das mit einer deutlichen Ermahnung an seine JĂŒnger, was in V. 28 in „Wie viel mehr euch, KleinglĂ€ubige!“ zum Ausdruck kommt.

Der kleine Glaube steht fĂŒr mangelndes Gottvertrauen. Mangelndes Gottvertrauen ist die eigentliche Wurzel des Problems des Mannes in Erbstreiterei, des Kornbauern, der sich sorgenden JĂŒnger und aller anderen – ja, auch unser Problem.

Es ist ĂŒbrigens nicht die Menge des Glaubens, die den Unterschied macht, sondern der Gegenstand des Glaubens - Gott. Setze ich mein Vertrauen auf einen großen Gott, oder auf meine vergleichbar winzigen Scheunen (egal wie die heute alle heißen)?

Jesus kommt langsam aber sicher zum Höhepunkt seiner AusfĂŒhrungen, wenn er sagt: V. 29-30: Und ihr, trachtet nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und seid nicht in Unruhe! 30 Denn nach diesem allen trachten die Nationen der Welt; euer Vater aber weiß, dass ihr dies benötigt.

Anders ausgedrĂŒckt: Wir sind aufgefordert (Imperativ), es der Welt (Menschen, die ohne Jesus leben) zu ĂŒberlassen, die falschen PrioritĂ€ten zu setzen, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Lasst sie doch ihre Scheunen bauen!

Die Maxime eines Menschen, der tagtĂ€glich mit Jesus lebt, ist eine andere. Das Kontrastprogramm Gottes - und somit die PrioritĂ€t des JĂŒngers – lautet:

V.31: Trachtet jedoch nach seinem Reich! Und alles andere wird euch gegeben werden. Die Gegenwartsform im griechischen Text macht deutlich, dass es sich beim Trachten nach Gottes Reich um eine permanente Gewohnheit des JĂŒngers handelt.

Wenn man Jesus kennt, zum Freund hat und vor allem glaubt, kann man auch mit wenig ein sehr erfĂŒlltes Leben leben. Er sagte an anderer Stelle: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle GenĂŒge.“ – Das ist gekoppelt an seine Person und nicht an das, was man vom ihm an Gesundheit, Wohlstand, Einfluss oder Ansehen zu bekommen erhofft. – Da ist er die falsche Adresse, weil er genau weiß, wohin es fĂŒhrt, wenn man sich von diesen Dingen statt von ihm abhĂ€ngig macht.

Die ganze Zartheit der FĂŒrsorge Gottes wird im nĂ€chsten Vers deutlich, in dem Jesus immer noch zu seinen JĂŒngern redet: V. 32: FĂŒrchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben.

Im Kontext geht es wie gesagt auch um Verfolgung. Deshalb ist Jesu Aufforderung, sich nicht zu fĂŒrchten, durchaus angemessen und verstĂ€ndlich. Das, was auf seine JĂŒnger noch zukommen wĂŒrde, hat Jesus sehr genau gewusst. – Wovor fĂŒrchten wir uns eigentlich?

Aber die sehr ungewöhnliche und einzige Anrede dieser Art im NT „Kleine Herde“ ist ein Hinweis darauf, dass Gottes Leute zwar zerbrechlich und anfĂ€llig sind, aber auch dafĂŒr, dass Gott selbst sich um sie sorgt.

V.33-34: Verkauft eure Habe und gebt Almosen; macht euch Beutel, die nicht veralten, einen unvergÀnglichen Schatz in den Himmeln, wo kein Dieb sich naht und keine Motte zerstört! 34 Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

Die Tatsache, dass Jesu JĂŒnger Teil der Gottesherrschaft sind, befreit zugleich, den Blick weg von sich auf den NĂ€chsten zu richten. Eine von vielen Charakteristiken des Königsreichs Gottes ist, dass man selbstlos teilen kann, was einem gegeben ist. Denn das, was man gibt und teilt, kann einem nicht genommen werden. Im Gegenteil! Es bewirkt Frucht, die sich zugunsten unserer Rechnung mehrt (Phil 4,17)!

Jesus lĂ€dt den Kreis seiner engsten Gefolgsleute ein, ganze Sache zu machen und PrioritĂ€ten zu setzen. Er wusste sehr genau, dass diese paar Mann der Grundstein einer Bewegung werden, die die Welt bis heute nachhaltig prĂ€gt. Und er wusste, dass der Preis hoch sein wĂŒrde. Die meisten von ihnen haben diese Nachfolge mit dem Leben bezahlt. Zuletzt wird deutlich, dass jemand dem gegenĂŒber loyal ist, was er fĂŒr wirklich wertvoll erachtet. Die Frage nach „An welchem Schatz hĂ€ngt unser Herz?“ ist eine gute, diese Predigt zu beenden.

Sie ist letztlich auch die Frage nach der PrioritÀt, dem Wesentlichen. Sie ist eine Ermutigung, den Symptomen nicht zu viel Bedeutung beizumessen, es sei denn, dass wir durch sie auf die Spur der Wurzel eines Problems kommen.

Wie sieht es aus: Möchtest du dich diesem Gott nicht auch ganz anvertrauen?

Dann stehen die Chancen gut, dass unsere Sorgen geringer und die HabsuchtanfĂ€lle die Ausnahme werden. Es kann sogar passieren, dass wie das Erbe, das wir zu erwarten haben, so unwichtig wird, dass wir es vergessen, weil uns Jesus ĂŒber alles wichtiger wurde.

Unser Herz gibt uns Auskunft darĂŒber, ob wir uns sorgen; unser Geldbeutel gibt uns Auskunft ĂŒber unsere Freigiebigkeit. Beides wird uns und anderen verraten, ob wir Gott wirklich vertrauen.

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Veröffentlicht am 27.08.2010 © Karsten Gosse
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