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Golf und Gott - Interview mit christlichem Golfer Bernhard Langer

Im September 1998 hatte Norbert Wessels  während der Linde German Masters die Gelegenheit, Bernhard Langer (s. Links) zu interviewen. Norbert Wessels ist seit vielen Jahren Mitglied des  Golfclubs Emstal und im Verein bei ICHTUS ehrenamtlich engagiert.


Interview mit Bernhard LangerN.W.: Sie mĂĽssen oder dĂĽrfen ihrem Beruf auf der ganzen Welt nachgehen. Ist das Leben als Weltenbummler nicht anstrengend?

B. Langer: Ja, es ist auf jeden Fall anstrengend. Es macht am Anfang sicherlich großen Spaß, wenn man alleine und nicht verheiratet ist, keine Kinder hat. Jedes Land ist irgendwo neu, es ist alles interessant. Nach einigen Jahren kennt man das zum Großteil schon, man möchte dann lieber gerne zuhause sein, bei der Familie, bei Freunden. Die Reiserei wird dann etwas anstrengender.

N.W.: Eine Turnierwoche ist gut geplant, aber wer kümmert sich um die Kleidung, das Schuhe putzen, Essen und Entspannung – um die Dinge, die neben dem Golfspielen dazu gehören?

B. Langer: Das sind meine persönlichen Aufgaben, dafür brauche ich keinen Manager.

N.W.: KĂĽrzlich habe ich einen Leserbrief gelesen, dass der Schreiber sich sehr dafĂĽr interessierte, wer denn wohl die Schuhe der Spieler putzt?

B. Langer: Die Schuhe werden meistens im Golfclub geputzt. Es gibt jemanden, der die Schuhe putzt. Wir Spieler bezahlen am Ende der Woche. Damit ist die Sache erledigt.

N.W.: Welchen Stellenwert hat der Ryder Cup für sie persönlich?

B. Langer: Es ist eines der wichtigsten Turniere. Es findet ein unheimliches Interesse in der Öffentlichkeit, bei der Presse, bei den Zuschauern und es ist ein außergewöhnliches Turnier, wo es auch nicht um Geld geht, sondern nur um die Ehre. Man spielt für seinen Kontinent, für seine Tour, für sein Land – eben nicht um Geld.

N.W.: Haben die großen sportlichen Erfolge, Ehrungen und nicht zuletzt die Einkünfte in Millionenhöhe ihre Persönlichkeit verändert?

B. Langer: Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, ich bin so geblieben, wie ich war – da hat sich relativ wenig verändert.

N.W.: Sie sind oft als Titelbild auf Golfzeitschriften zu sehen oder es wird über sie berichtet. Werden sie ihrer Meinung nach richtig dargestellt oder sind Ergänzungen notwendig?

B. Langer: Zum Teil ist es richtig und zum Teil ist es falsch. Das hängt ganz von dem Reporter ab, von dem jeweiligen Magazin oder der Zeitung. Die einen schreiben die Wahrheit, die anderen dichten etwas dazu, oder schreiben, was sich verkaufen lässt.

N.W.: Da hat man als Person wenig Möglichkeit das zu korrigieren.

B. Langer: Man hat eigentlich gar keine Möglichkeit. Gut, man kann sich beschweren, aber das bringt nichts. Die tun meistens überhaupt nichts, oder sie bringen irgendwo zwei kleine Zeilen, wo es keiner sieht. Das verändert nicht mehr das, was die vorher angestellt haben.

N.W.: Es ist ja bekannt, dass sie ein gläubiger Mensch sind. In einem Gespräch mit einem Freund und Golfer wurde mir erklärt: „Der Langer braucht seinen Glauben nur als mentale Übung, um besser Golf spielen zu können“. - Was sagen Sie dazu?

B. Langer: Das ist totaler Quatsch. Golfspielen hat mit dem Ganzen sowieso ganz wenig zu tun. Mein Glaube ist eine Ăśberzeugung, dass es Gott gibt, der die Welt und uns geschaffen hat; dass ein Plan dahinter steht; dass wir hier nicht nur ein paar Jahre auf der Welt leben und danach nichts kommt, sondern das alles seinen Grund hat und dass es ein ewiges Leben gibt.

N.W.: Ich bin selbst durch lebensentscheidende Umstände zum Nachdenken über den christlichen Glauben gekommen und habe mich für ein Leben mit Gott entschieden. Können Sie Ihren Weg zum Glauben schildern?

B. Langer: Ja, aber das würde lange dauern – aber ich versuche es in ein paar kurzen Sätzen. Ich bin in einer katholischen, religiösen Familie aufgewachsen. Mehr oder weniger habe ich das so verstanden: Ich war Ministrant und somit viel in der Kirche. Ich bin mit dem Ganzen groß geworden und im Endeffekt habe ich es so verstanden, dass wenn man ein guter Mensch ist, dann kann man hoffentlich in den Himmel kommen und wenn man nicht so gut ist, kommt man in das Fegefeuer oder in die Hölle.

Als ich dann später in die USA oder ins Ausland ging, andere Konfessionen oder Kirchen besucht habe, und in einen Bibelkreis gegangen bin, ist es mir klar geworden, dass ich nie gut genug sein kann, um in den Himmel zu kommen, sondern dass es nur dadurch ging, dass Jesus Christus für mich und meine Sünden am Kreuz gestorben ist. Nur dadurch habe ich die Möglichkeit, in den Himmel zu kommen. Denn ich werde nie so perfekt sein wie Gott. Er ist nicht nur ein perfekter Gott, sondern auch ein gerechter Gott. Und wenn er ein gerechter Gott ist, dann muss er richten. Und da wir alle irgendwo unperfekt sind, da wir alle irgendwo sündigen, muss er uns alle dafür bestrafen. Keiner von uns könnte in den Himmel kommen. Und deswegen ist Jesus Christus auf die Welt gekommen, um das für uns zu erledigen. Das ist mir erst im 28. Lebensjahr bei einiges Bibelstunden erklärt worden. Dann habe ich mich für ein Leben mit Jesus Christus und für Gott entschieden.

N.W.: Warum ist es Ihnen wichtig, öffentlich über ihren Glauben zu reden – besonders wenn Sie als Sieger eines Turniers eine Ansprache halten?

B. Langer: Weil ich weiß, dass der Glaube der einzige Weg ist, in der Himmel zu kommen. Ich weiß, was es mir persönlich und meiner Familie bringt, an Gott zu glauben: Es ist ein erfüllteres Leben mit Gott hier auf der Erde und wir werden ewiges Leben haben. Ich möchte natürlich, dass so viele wie möglich davon erfahren und deshalb erzähle ich davon.

N.W.: Das heiĂźt, dass Sie konkrete Erwartungen an dieses Interview haben und die Leser ins Nachdenken kommen sollen.

B. Langer: Das genau wünsche ich mir. Dass sie ins Nachdenken kommen. Dass sie sagen: Wenn der das erzählt, könnte da vielleicht doch was dran sein. Ich sollte mich mal ein bisschen erkundigen, oder mich mit der Materie beschäftigen, in die Bibel rein schauen und mich mit Leuten unterhalten, die davon etwas verstehen, um dann vielleicht zu entdecken, ob das nicht tatsächlich die Wahrheit ist, ob es nicht wirklich einen Gott gibt, an den man glauben kann.

N.W.: Jetzt könnte man sagen, der Langer hat ja wohl Ahnung vom Golf, seine privaten Meinungen und sein Leben als Christ sollte er doch für sich behalten.

B. Langer: Wir haben Meinungsfreiheit. Es gibt viele, die behaupten, dass es keinen Gott gibt und wir vom Affen abstammen. Und ich erzähl jetzt mal, dass Gott uns erschaffen hat und ich davon überzeugt bin.

N.W.: Ich glaube, dass viele Menschen in Deutschland durch die Kirchengeschichte und die Art wie Glaube gelebt wird, eine negative Einstellung zu Gott und Glauben gewonnen haben. Sie kommen in viele Länder, besonders in die USA. Haben die Menschen dort ein anderes Verhältnis dazu?

B. Langer: Eine gewisse Vorbelastung ist überall vorhanden. Wir alle haben Vorfahren und sind alle in Familien aufgewachsen, wo Glaubensdinge gelehrt oder erzählt worden sind. Ich glaube aber, dass in Amerika das Gespräch über den Glauben einfacher ist. Die Leute sind offen, sie reden darüber. Es ist einfach ein Bestandteil des Lebens, sogar ein großer Bestandteil – es ist ja nichts Schlechtes daran. Leute können sich furchtbar freuen, wenn eine Fußballmannschaft ein Tor schießt, aber nur wenige können sich freuen, wenn es um so etwas Wichtiges wie Gott geht.

N.W.: Der christliche Glaube beinhaltet neben der persönlichen Beziehung zu Gott auch, dass der Mensch sich um andere kümmert - sprich Nächstenliebe. Wo und wie engagieren sie sich?

B. Langer: Natürlich setze ich mich auch für andere ein, aber ich möchte darüber nichts ausposaunen. Es steht in der Bibel geschrieben, wer dem anderen erzählt, was er Gutes tut, der hat seinen Lohn schon hier auf Erden bekommen. Ich möchte meinen Lohn im Himmel bekommen.

N.W.: Sie haben einen bemerkenswerten Artikel in der Welt am Sonntag geschrieben. Gab es darauf Reaktionen?

B. Langer: Es gab viele positive Reaktionen. Wir haben viele Leserbriefe bekommen, ich persönlich und auch die Zeitung. Von negativen Dingen habe ich überhaupt nichts gehört. Wer den Artikel gelesen hat, erfährt das meiste über meine Glaubens- und Lebensgeschichte.

N.W.: Herr Langer, ich bedanke mich ganz herzlich fĂĽr das Interview und wĂĽnsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute und hoffe, dass Sie bei diesem Turnier noch ganz vorne landen werden.

Veröffentlicht am 18.05.2009 © Karsten Gosse
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