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GnÀdig sein?

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Der Theologe Charles Swindoll erzĂ€hlt in seinem Buch „Zeit der Gnade“ vom einem englischen Maler des 19. Jahrhunderts mit dem Namen Sir. Edward Burne-Jones.

 

Er wurde von seiner Tochter zum Tee eingeladen und die kleine Enkelin saß mit bei Tisch. Sie benahm sich nicht gut und ihre Mutter schickte sie – wie damals ĂŒblich - in die Ecke und befahl ihr, sich mit dem Gesicht zur Wand zu drehen.

 

 

 

Sir Edward mischte sich nicht in die Erziehungsmethoden seiner Tochter ein. Allerdings klopfte er am nĂ€chsten Tag an der TĂŒr seiner Tochter, bewaffnet mit Pinseln und einer Palette froher Farben. Als sie ihm öffnete, ging er schnurstracks in die Ecke, in der sein Enkelkind tags zuvor stand und malte einige Motive an die Wand: ein KĂ€tzchen, das seinen eigenen Schwanz jagt; Schafe auf einer Weide; Goldfische in einem Teich.

 

 

 

Was tat er da? Was war das? Ausdruck von Mitleid? Mag sein. FĂŒr mich ist es ein StĂŒck gelebter Gnade.

 

 

 

Gnade ist immer unverdient! Gnade kann man nicht bezahlen oder wieder gutmachen. Obwohl die Strafe  (nicht die Art) fĂŒr das Benehmen der Enkeltochter womöglich die richtige Konsequenz war - und Opa wusste es: irgendwann wieder einmal sein wĂŒrde - zeigt er hier Gnade im Gericht.

 

 

 

GnĂ€dig sind ĂŒbrigens oft genau die Menschen, die selbst am besten um ihre eigene UnzulĂ€nglichkeit wissen. Und je Ă€lter man wird, umso hĂ€ufiger stellt sich diese Erkenntnis ein. Als Vater von vier Kindern zwischen 10 und 20 Jahren weiß ich, wovon ich spreche. Den Lehrern meiner Kinder habe ich deshalb mal gesagt: „Mich wundert nicht, dass mein Sohn im Unterricht Blödsinn macht. Ich kenne seinen Vater. Der war genauso.“

 

 

 

Dennoch brauchen Menschen gesunde Grenzen. Das muss man frĂŒh im Leben lernen – auch durch konsequente Lehrer, von denen die meisten ĂŒbrigens einen guten Job machen - wie ich finde. Die richtig guten Lehrer strafen zwar manchmal, sind aber immer wieder auch gnĂ€dig und wertschĂ€tzen auch die schwierigeren SchĂŒler. – Soweit der Mensch. Und was ist mit Gott?

 

 

 

Jesus sagte mal zu einer aufgebrachten Meute RechtglĂ€ubiger, die gerade im Begriff waren, eine Frau zu steinigen, die sie beim Ehebruch erwischten: „Wer von euch ohne SĂŒnde ist, der werfe den ersten Stein!“

 

 

 

Bezeichnender Weise ließen die AnklĂ€ger ihre Steine fallen. Der antike Bericht bemerkt, dass es zuerst die Ă€lteren MĂ€nner waren, die die Fliege machten. Sie wussten nur zu genau, dass auch sie Dreck am Stecken hatten. Die jungen gingen dann auch bald. Jesus blieb allein mit dieser Frau, deren Namen wir nicht kennen. „Hat dich niemand verurteilt?“ fragte er sie. „Niemand, Herr“, lautete ihre Antwort. „Dann verurteile auch ich dich nicht“ – sagte Jesus.

 

 

 

Nein, hier wird keine Werbung gemacht fĂŒr das fröhliche „Drauf-los-SĂŒndigen“, weil Gott das mit der SĂŒnde nicht so genau nĂ€hme. Jesu Forderung an sie folgte umgehend: „Lass das in Zukunft! SĂŒndige nicht mehr!“

 

 

 

Aber Fakt ist, dass uns Gott in Jesus Christus gnĂ€dig ist. Die Strafe, die er als Gottes Sohn am Kreuz trug, reicht seinem himmlischen Vater völlig, um uns Menschen zu garantieren: FĂŒr deine Schuld wurde bereits bezahlt. – Das ist unverdient. Es ist ein Geschenk. Das ist Gnade. So ist Gott.

 

 

 

Und doch verhĂ€lt es sich mit Geschenken nun mal so: Man nimmt sie an oder nicht. Im Johannesevangelium steht ĂŒber Jesus: „Allen aber, die ihn annahmen, gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“

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Veröffentlicht am 21.04.2009 © Karsten Gosse
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