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Betrug im Golfsport

betrug-im-golfsportSeit meiner ersten theologischen Ausbildung, die ich bereits 1988 abgeschlossen habe, predige ich sie: Meine Abschlusspredigt über Üble Nachrede. Sie kommt eigentlich immer gut an, weil sich jeder damit identifizieren kann. Manche haben gar Teile daraus an verschieden Stellen veröffentlicht. Ein Satz dieser Predigt hat allerdings eine ganz neue Bedeutung für mich gewonnen:

„Die Grausamkeit (Brutalität, Tragweite, etc.) der Üblen Nachrede oder Verleumdung wird uns erst dann richtig bewusst, wenn wir nicht mehr nur Täter sind, sondern selbst zum Opfer werden.“

Wer wie ich über dieses Thema predigt, ist natürlich selbst gegen die Versuchung des Afterredens nicht immun. Immer wieder passiert es auch mir, dass ich über andere lästere. Allerdings passiert das dann – dank eines geschärften Gewissens und einer gewissen, über die Jahre gewonnen, Expertise - meist in dem Bewusstsein, dass es sich natürlich nicht gehört, anderen übel nachzureden. Die Bibel bezeichnet es schlicht als Sünde. Das bremst mich dann gelegentlich. Obwohl es mir in den letzten Jahren öfter als früher gelungen ist, den Mund zu halten, bleibt das Thema ein umkämpftes in meinem Leben. Da gibt es nichts zu beschönigen.

An anderer Stelle habe ich ja schon über „ethische Themen“ - oft auch im Zusammenhang mit dem Golfsport - geschrieben (s.u.). Wenn man allerdings selbst des Betrugs beim Golfspiel bezichtigt wird, obwohl man zu denen gehört, die selbst beim Golfen mit Kindern darauf achten, dass diese sich von Anfang an daran gewöhnen, auch die geringsten Regelverstöße auf ihrer Scorekarte mit Strafschlag zu notieren, dann ist das doppelt bitter. Man wäre dann nämlich der klassischste aller Heuchler.

Ehrlich gesagt, hat mich die Anschuldigung, betrogen zu haben, im wahrsten Sinn des Wortes so geschockt, dass man es mir im Gesicht ablesen konnte. Das ist die Art Schock-Zustand, die das Blut in den Adern gefrieren lässt. Das Gefühl kennt jeder, der mal eine schlechte Nachricht überbracht bekommen hat, als er am wenigsten damit gerechnet hat.

Das Problem an einer solchen Sache ist, dass man daran nichts ändern kann, wenn der Ankläger felsenfest davon überzeugt ist, dass du betrogen hast. Man kann selbst dann nichts ändern, wenn kein Beweis erbracht wird und die Anklage auf Vermutung oder Fehldeutung basiert. Selbst der Versuch eines klärenden Gesprächs kann dann in einem unbefriedigenden Streitgespräch enden. Auch nicht toll. Allerdings: Trotz eigener Unschuld, ist das Verarbeiten einer solchen Anschuldigung schwer. Seelisch zermürbend sogar. Sie raubt Schlaf.

Die natürlichste Reaktion ist dennoch die, dass man sich „rechtfertigt“, weil man reflexartig versucht, seinen guten Ruf zu retten. Seinerseits beginnt man anderen zu erzählen, dass man zum Opfer wurde. Damit wird man allerdings schnell auch wieder zum Täter und läuft zusätzlich Gefahr, dem Urteil anderer zu verfallen, das da lautet: „Wer sich verteidigt, klagt sich an.“ – Das ist alles ziemlich verzwickt und als Außenstehender muss man vorsichtig sein mit vorschnellen Urteilen. - Das gilt nicht nur für die prominenten Fälle der Sportler wie Claudia Pechstein, Lance Armstrong, Jan Ulrich oder früher Dirk Baumann; der Politiker wie Karl-Theodor zu Guttenberg, Christian Wulff oder wie sie alle heißen.

Ein sehr gehaltvoller Satz, den ich gerade las und der mich - auch im Blick auf mein eigenes Erleben - nachdenklich stimmt: „Sorge dich mehr um deinen Charakter als um deinen Ruf, denn dein Charakter ist das, was du wirklich bist, während dein Ruf nur das ist, was andere denken, dass du seist.“

Weil dem nichts hinzuzufügen ist, werde ich mich diesem Projekt der Charakterentwicklung jetzt wieder widmen. Da ich scheitern würde, wenn ich es aus eigener Kraft täte, bin ich froh zu wissen, dass es Jesus ist, der manche Erfahrung in unserem Leben nutzt, um unseren Charakter zu formen, damit wir Ihm immer ähnlicher werden.

Jemand sagte es so: „Manche Menschen kommen in unser Leben und sind ein Segen; andere treten in unser Leben, damit wir unsere Lektionen lernen.“ - Da steckt sicher mehr als nur ein Körnchen Wahrheit drin.

Mein Wunsch ist, dass ich zu denen gehöre, die im Leben anderer zum Segen werden. Und sollte es so sein, dass ich selbst jemand Unrecht getan oder verletzt habe, dann hoffe ich, dass „Jemand“ es mir sagt und mir auch vergibt. Das nämlich ist die einzige wirklich befreiende Haltung, wenn wir wollen, dass unsere Seele gesund bleibt. Vergeben zu lernen ist eine der schwersten Übungen, die wir im Prozess der Charakterbildung zu bewerkstelligen haben. Auch da hilft der Blick auf Jesus, der einem selbstgerechten Menschen mal erläuterte, dass der, dem viel vergeben wurde, auch viel mehr Liebe (Vergebung) erweist (siehe Lukas 7). - Selbst denen, die es nicht immer gut mit einem meinen.

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© Sportpastor Karsten Gosse, ICHTU’S – Christen im Golfsport e.V.

Veröffentlicht am 26.06.2012 © Karsten Gosse
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