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Sekundenschlaf

240x180-1st-golf-wallpaper-sunset-old-wallpaper...oder „Ehrlich währt am längsten“

Da ist er unterwegs, der Ichtu’s-Neugolfer in seinem nagelneuen VW Golf. Zwei Monate ist der alt. Irgendwo zwischen Kiel und Basel auf der Autobahn. Mit moderaten 140 km/h. Dann passiert es. Im Bruchteil einer Sekunde wechselt das Auto die Fahrbahn von links nach rechts – nach ganz ganz rechts. Ein Satz, ein Flug und die abrupte Landung mit der Schnauze voran im Acker, der einige Meter unterhalb der Fahrbahn liegt. Ein funktionierender Airbag und Totalschaden am Golf. Der Golfer im Golf unverletzt. - Fataler Sekundenschlaf. Glück gehabt?

„Geht es ihnen gut?“ lautet die Frage des Fahrers eines der nachfolgenden Autos, der den Abflug beobachtet und auf das Schlimmste gefasst war.

„Ja, mir geht es gut. Gott sei Dank!“

„Hmmm. Sie hatten sicher eine Menge Schutzengel, denen sie danken müssen!“

„Wohl wahr, aber Ich danke vor allem auch dem Einsatzleiter der Engel.“

Sekundenschlaf. Das kennen viele – nicht nur aus dem Erzählen anderer. Gerade deshalb sind wir zurückhaltend, wenn es um das Verurteilen solcher Autofahrer geht. Trotzdem! Sekundenschlaf ist gefährlich – auch für andere! Das darf und soll nicht passieren! Keiner weiß das besser als der, dem es schon passiert ist. Das wird in der StvO ähnlich schwer gewichtet wie Alkohol am Steuer. Kommen Menschen dadurch zu Tode, dann kann es wohl gar als fahrlässige Tötung gewertet werden. Hier steht nicht nur die Versicherungssumme für den Totalschaden eines neuen Autos auf dem Spiel, sondern auch der Verlust des Führerscheins, des guten Rufs usw. – Wie biegt man das zurecht gegenüber der Polizei und der Versicherung?

Die Polizei trifft Minuten später am Unfallort ein. Noch bevor der Polizist etwas fragen kann, bekommt er es zu hören: „Herr Wachtmeister, es war Sekundenschlaf.“ Der erwidert: „Moment, bevor sie weiterreden, kläre ich Sie erst einmal auf. Wenn Sie das behaupten, dann hat das vielleicht Konsequenzen für Sie, die Sie…“.

„Herr Wachtmeister, es war Sekundenschlaf.“

Der Wagen war nicht nur nagelneu, sondern auch die Versicherung hatte der golfende Golffahrer erst kurz zuvor gewechselt. Ganz schlechte Aussichten. Kein Treuebonus zu erwarten. Gnade schon gar nicht.

Ehrlichkeit einerseits und Sekundenschlaf andererseits sind - was die Aussicht auf Entschädigung bei einer Versicherung betrifft - die denkbar ungünstigste Erfolgs-Kombination. Deshalb verwundert folgende Aussage im Anschreiben an die Versicherung: „Sehr geehrte Damen und Herren der Versicherung, der Totalschaden ist Folge meines Sekundenschlafs bei 140 km/h auf der Autobahn.“

Die Zahl derer, die unseren Freund wegen seiner Ehrlichkeit für bescheuert hielten, war nicht gering. Dessen Sturheit, ehrlich sein und bleiben zu wollen, allerdings umso größer. Warum? Weil er sich seiner Verantwortung als Christ vor Gott bewusst war. Der Fehler war groß, grob und fahrlässig. Ihn schön zu reden, um Strafe zu entgehen und Geld einzuheimsen, das einem nicht zusteht – kein gangbarer Weg. Christ sein und bleiben, auch wenn es Konsequenzen hat, die man nicht leicht wegstecken kann, ist integer, glaubwürdig, authentisch. Punkt.

Hut ab! Kann man für so viel Ehrlichkeit (für andere immer noch Dummheit) belohnt werden? Nein, kann man nicht. Um die Frage von Belohnung geht es hier auch nicht.

Grobe Fehler und Schuld verdienen keine Belohnung. Trotzdem ist es interessant zu wissen, dass die Staatsanwaltschaft keine Anzeige erstattet hat, der Führerschein nicht eingezogen wurde und die Versicherung für 100% des Schadens aufgekommen ist. Also doch eine Belohnung? Nein! Das alles ist eher so etwas wie ein unverdientes Geschenk.

Mich persönlich erinnert das so ein wenig an die Art und Weise wie Gott mit uns Menschen umgeht. Wenn wir uns ehrlich mit unserer Schuld an Jesus Christus wenden und ihm schonungslos offen unsere Fehler und Schuld eingestehen, dann kann uns Gott gnädig sein und einen Totalausfall, einen Totalschaden und totale Ehrlichkeit in ein gnädiges und überraschendes „Dennoch“ verwandeln.

Ich wünsche uns allen, dass wir keinen Sekundenschlaf erleben müssen, um das zu begreifen und vor allem zu ergreifen, worum es hier geht: Gnade!

Ihr Karsten Gosse

 

 

 

Veröffentlicht am 31.05.2012 © Karsten Gosse
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